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SWR2 Wort zum Tag

„Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“ Dieser Satz stammt von dem Jesuitenpater Alfred Delp, der am 2.Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Laßt uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt. Delp hat das geschrieben, als er äußerlich total verlassen war: im Gefängnis, an den Händen gefesselt, mit 37 Jahren den Tod vor Augen. Woher kam diese Kraft, dieses Vertrauen? Beides ist wohl im Lauf seines Lebens gewachsen. Delp wurde 1907 in Mannheim geboren, offenbar ein Kind mit einem starken Willen. Er war katholisch, dachte aber in manchem auch durchaus protestantisch. Besonders beschäftigten ihn die soziale Frage und die zeitgenössische Philosophie. Und die Beziehung der Menschen zu Gott. Er arbeitete unter anderem als Erzieher und in der Männer- und Arbeiterseelsorge. „Man wird uns (Christen) die Botschaft vom Heile nicht glauben, wenn wir nicht alles tun für die Heilung des gegenwärtigen Lebens!“ sagte er. Aus diesem Grund engagierte er sich auch immer stärker politisch. Er würdigte durchaus den nationalen Gedanken und nahm ihn in seine politischen Zukunftsvorstellungen auf. Aber er pochte darauf, dass ein Volk nie den „menschheitlichen Zusammenhang“ sprengen dürfe. Es gebe nicht nur den Anspruch des Volksganzen, sondern individuelle Menschenrechte.
Delp denkt nach, und er handelt auch, versteckt zum Beispiel verfolgte Juden. Und er schließt sich in Berlin dem Kreisauer Kreis um Graf von Moltke an. Hier entwirft er künftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Konturen für Deutschland. Der Kreisauer Kreis wollte für die Zeit nach dem ersehnten Kriegsende bereits eine staatliche Ordnung vorbereiten.
Im Juli 1944 wird Delp verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Bis jetzt hat er gehandelt und gearbeitet und war dabei getragen und motiviert vom Glauben an die Zuwendung Gottes. Und auf diese Zuwendung Gottes, die ihn sein Leben lang aktiv gemacht hat, konnte er wohl auch im Gefängnis vertrauen, als seine Hände buchstäblich gebunden sind und der Tod vor Augen steht. Das bewundere ich: "wenn Vertrauen, welches Motor des Handelns war, seine Kraft auch zeigt in der Zeit der Ohnmacht und ein Mensch auch dann sagen kann: Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“
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