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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Ein Experte ist ein Mann, der hinterher genau sagen kann, warum seine Prognose nicht gestimmt hat.“ An diesen Satz von Winston Churchill muss ich in diesen Tagen immer wieder denken. Beispiel: die Finanzkrise. Kein Wirtschaftsfachmann, kein Politiker und auch kein Journalist hatte das Fiasko kommen sehen. Aus „gut unterrichteten Kreisen“ war keine Warnung zu hören. Hinterher aber sitzen alle Experten zusammen und erklären wortreich, warum die Krise so und nicht anders kommen musste. Geschwätzig tragen sie ihre Analysen vor.
Überhaupt, die Experten. Keinen Lebensbereich lassen sie aus. Wer seine Kinder richtig erziehen will, braucht einen Elternratgeber. Wer etwas Schmackhaftes auf den Tisch bringen möchte, der schaut dem Fernsehkoch in die Töpfe. Gesund bleiben, fit sein, schöner wohnen, richtig verreisen – das alles geht anscheinend nur noch nach den Vorgaben der Experten.
Und im Bereich des Glaubens? Auch da gibt es zahlreiche Fachleute und „Vorturner“. Die meinen, dass die Wahrheit den Menschen von zuständiger Stelle vermittelt werden muss.
Bei Jesus war das anders. Er spickte seine Botschaft nicht mit Lehrsätzen und abstrakten Modellen. Die Geschichten, die er erzählte, spielten im Alltag der kleinen Leute. Gott wird im Leben konkret erfahrbar, in den Beziehungen der Menschen untereinander.
Da freut sich eine arme Witwe über das wiedergefundene Geldstück. Und mit ihr ihre Freundinnen und Nachbarn (Lk 15,8-10). Da musizieren und tanzen die Kinder auf dem Marktplatz (Mt 11,16-17). Da finden Arbeitslose noch einen Job bei der Weinlese. (Mt 20,1-16). Und der „verlorene“ Sohn erfährt die bedingungslose Zuneigung seines barmherzigen Vaters. (LK 15,11-32)
In seinen „Beraterkreis“ berief Jesus keine Experten. Schriftgelehrte und Priester sucht man dort vergebens. Stattdessen Fischer, Zöllner, Handwerker, Menschen wie du und ich. Ihnen traute er zu, die Botschaft von Gottes Menschenfreundlichkeit weiterzusagen.
Damals wie heute gilt: Niemand muss sich abhängig machen vom Ratschlag irgendwelcher Fachleute. Denn für das eigene Leben sind wir selbst die besten Experten.
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