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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Mt5,44)
Einer der kantigsten Sätze der Bibel. Jesus ruft das den Menschen zu, die ihm bei seiner Bergpredigt zuhören. „Liebt eure Feinde!“ Das geht so gegen den Strich, dass man eigentlich nur den Kopf schütteln kann. Das ist doch nicht menschenmöglich. Diese Kraft hat keiner. Einer, der das doch konnte und der ganzen Welt zeigte und sagte, würde heute 80 Jahre alt. Martin Luther King, amerikanischer Geistlicher und Bürgerrechtler. Er war selbst ein Afroamerikaner und kämpfte durch gewaltlosen Widerstand für die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen. Und er tat das so erfolgreich, dass er für seine Feinde gefährlich wurde. Am 4.April 1968 wurde er ermordet. Doch die Botschaft Jesu aus der Bergpredigt, die er so kraftvoll wieder aufgenommen hatte, die lebt weiter bis heute. Wenn in fünf Tagen Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten wird, dann hat er das auch Martin Luther King zu verdanken.
„Liebt eure Feinde!“ Diesem scheinbar unmöglichen Satz hat King ein Denkmal gesetzt. Über diese Liebe, die man kaum begreifen kann, schreibt er:
… Wir dürfen …. nicht unsere Pflicht zur Liebe vergessen. Während wir die Rassenschranken bekämpfen, müssen wir ihre Verteidiger lieben. Unseren Gegnern sagen wir: Unsere Leidenskraft ist ebenso groß wie eure Macht, uns Leiden zuzufügen. Tut mit uns, was ihr wollt, wir werden euch trotzdem lieben. Werft uns ins Gefängnis, wir werden euch trotzdem lieben. Werft Bomben in unsere Häuser, bedroht unsere Kinder, wir werden euch trotzdem lieben.
Und seid sicher, wir werden euch mit unserer Leidensfähigkeit überwinden. Eines Tages werden wir die Freiheit gewinnen. Wir werden so lange an euer Herz appellieren, bis wir auch euch gewonnen haben. Und dann wird unser Sieg ein doppelter sein.“
Martin Luther King und viele andere haben diesen Sieg nicht erlebt. Aber die Liebe, die er predigte und lebte, ist geblieben, wenn sie es auch schwer hat. Heute, an seinem 80. Geburtstag, erinnere ich daran und bete darum, dass jeder von uns ein wenig davon aufnimmt und weiter gibt.
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