SWR2 Wort zum Tag

SWR2 Wort zum Tag

Guten Morgen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, zunächst möchte ich einige Zeilen aus dem Buch Jesaja vorlesen, einem Prophetenbuch der Bibel. Vor zwei Tagen, an Dreikönig, ist dieser Text in vielen Kirchen gelesen worden. Er spricht von Zion, und Zion steht für Jerusalem, sogar für ganz Israel, da wo gerade wieder soviel Blut vergossen wird.
„Auf, Zion, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. …Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei. Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.“
Wahrscheinlich im 6. Jahrhundert vor Christus ist dieser grandiose Text geschrieben worden. Israel hatte wieder einmal Kriege hinter sich, diesmal auch ein jahrzehntelanges Exil in Babylonien. Und jetzt so ein Text – die uralte Vision vom Frieden in Israel, im heutigen Heiligen Land der Juden, Christen und Muslime. Friede und Eintracht und Gemeinschaft und Freude und Licht. Und zwar deshalb, weil Gott leuchtend aufgeht über Zion. Nicht die Menschen bewirken diesen Frieden, sondern Gott.
In diesen Kriegstagen solche Sätze zu hören, ist so unerträglich wie faszinierend. Wer kann denn noch glauben, dass dieses Land jemals Frieden finden wird? Welchen Ausweg kann es geben, wenn mehrere Völker dasselbe Land als ihre Heimat sehen, mit guten Gründen, ? Wenn von außen Kräfte und Mächte dort ihre eigenen Interessen verfolgen – als Verbündete der einen oder der anderen Seite oder als Nutznießer des Konflikts? Wenn sich die Gegner immer neu verletzen und demütigen und so Haß ständig neue Nahrung erhält? Es erscheint so hoffnungslos.
Vielleicht gehören ja genau da die Worte des Propheten hin. In diese Situation, in der die Menschen sich so todbringend verstrickt haben. Da hilft vielleicht nur ein Impuls, der sagt: es kann und es wird auch hier Lösungen geben, wenn die einen nicht resignieren und die andern aufhören, auf Gewalt zu bauen.
Auf werde licht, denn es kommt dein Licht – ein uralter Hoffnungstext zu einem uralten Thema von Blut und Tränen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5210
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