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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Nachher, wenn es hell geworden ist, sind sie wieder unterwegs, wie jedes Jahr: Gruppen von meist jungen Männern mit Rucksack und häufig genug mit einem Bierwägelchen. Heute ist im Hunsrück „Bündelchestag“.
Der „Bündelchestag“, das ist eine Männerwanderung. Man wandert gemeinsam mit seinen Freunden. Und manchmal geht’s dabei recht feucht und fröhlich zu.
Dieser Tag hat seinen Ursprung darin, dass die Handwerksburschen noch vor nicht allzu langer Zeit „zwischen den Jahren“ den Herren wechselten: Wenn das Lehr- oder auch Abhängigkeitsverhältnis mit dem einen Herren sein Ende gefunden hatte, dann packten sie ihr Bündel, machten sich auf den Weg und suchten sich einen neuen Herrn.
Den Herren wechseln. Das ist das Thema dieser Wanderungen. Sein Bündel nehmen und sich auf den Weg machen. Sich einen neuen, einen besseren Herren suchen.
Gut, manche würden jetzt am liebsten den Chef wechseln oder gar die ganze Arbeitsstelle. Aber, meist geht das nicht. Die meisten von uns sind froh, dass sie überhaupt Arbeit haben.
Aber wir können uns einmal fragen: Was ist es eigentlich, das mich innerlich beherrscht? Welche Ideale, welche Ziele und Träume lenken und leiten mich?
Wer ist eigentlich der „Herr“ in mir?
Ist das der, der mich immer antreibt und sagt: Du musst Leistung bringen. Denk zuerst an die Arbeit… und ganz zuletzt kommst du?
Bin ich zufrieden mit diesem „inneren“ Herrn?
Es gab - und es gibt - Menschen, die sagen von ihrem Herren: Er sei so etwas wie ein Hirte. Und sie sagen über ihn: „Bei ihm wird es mir an nichts mangeln…“
Sie fühlen sich beschützt, auch in den finsteren Tälern, und behütet fühlen sie sich.
Das ist so etwas wie eine Einladung, sein Bündel zu packen. Und sich dem Herrn anzuvertrauen, der schützt, und satt macht, und der die anderen Herren unwichtig werden lässt. (Die anderen, von denen wir uns manchmal gar nicht lösen können.)
Das ist die Gottesnähe, von der die Bibel spricht.
Und die wünsche ich Ihnen und mir, im Neuen Jahr.

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