Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

In der Weihnachtszeit bin ich immer besonders dünnhäutig.
Das hat mit der Dunkelheit zu tun, den kurzen Tagen und den langen Nächten. Und dass ich mir meiner eigenen Vergänglichkeit so bewusst werde, weil sich schon wieder ein Jahr dem Ende neigt.

In dieser Zeit wird vielen klarer als sonst, wo sie sich ungenügend fühlen:
Ziele, die man nicht erreicht hat, Träume, die auf der Strecke geblieben sind. Dass man im Vergleich mit anderen immer den Kürzeren zieht…

Und dann sind da noch die Schuldgefühle: wo ich ganz konkret anderen nicht gerecht geworden bin. Oder ganz diffus: dass ich zu wenig mache und helfe auf dieser Welt. Gerade in der Weihnachtszeit ereilen uns ja aus allen Winkeln der Erde Hilferufe. Wo sollen wir da anfangen?

„Macht hoch die Tür, das Tor macht weit“, singen wir im Advent,
„es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.“

Ich möchte mit diesem Lied anfangen. Weihnachten kommt der Heiland zu uns.
Das ist der Anfang von allem.
Ihm muss ich nichts vormachen. Ich kann mit meiner dunklen Seite vor ihn treten, mit meinen finsteren Gedanken und meinem Trachten nach Bösem.
Ich darf meine Zweifel vor ihn bringen, mein Versagen, meine Schuld.

Und dann kann ich auch auf den Anspruch verzichten, alles richtig zu machen. Denn es geht ja nicht darum: Entweder ich rette die ganze Welt, oder ich tue gar nichts.
Es geht darum, die Tür zu meinem Herzen hoch zu machen und das Tor zu meinem Innersten weit. Gott hineinzulassen, ohne Furcht. – Auch wenn es da vielleicht nicht so toll und aufgeräumt aussieht…

Denn der Heiland ist nicht gekommen um sich anzusehen was schön ist und gut und edel an uns. Er ist gekommen, um zu heilen. Um mir zu sagen:
„Du bist mir wichtig, mit allem, was dich bewegt.“
Und dann kann mich auch ein fremdes Schicksal berühren. Und mich zu einer helfenden Geste bewegen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5129