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SWR2 Wort zum Tag

Eines der bekannten Adventslieder stammt von dem Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld:
O Heiland, reiß die Himmel auf - herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
Spee wusste, worum er bat. Der Himmel schien verschlossen zur Zeit des 30-jährigen Krieges, in der er lebte. Deutschland war gezeichnet durch Gewalt und Vertreibungen, Hunger, Seuchen und Tod. Zudem bildete diese Zeit einen schrecklichen Nährboden für religiöse Wahnvorstellungen: Zu Tausenden wurden Frauen als Hexen denunziert, angeklagt, gefoltert und verbrannt.

Spee wirkte als Seelsorger für zum Tode verurteilte angebliche Hexen. Er selbst jedoch lehnte die Hexenprozesse kompromisslos ab und veröffentlichte anonym eine Schrift mit dem Titel: Rechtliche Bedenken wegen der Hexenprozesse. Da seine Autorschaft bekannt und sein Orden tief in die Hexen-Verfolgung verstrickt war, riskierte Spee sehr viel. Doch letztlich trug sein Buch zu einem Umdenken bezüglich der Hexenprozesse bei, brachte Licht und Trost in die Kerker. Ebenso wirkten seine Lieder, gesungene Texte, in denen sich das Elend gequälter Menschen ebenso spiegelt wie die Hoffnung des Dichters:
Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand, vom Elend zu dem Vaterland.

Spee lebte im Horizont eines jüngsten Gerichts, er rechnete mit der Möglichkeit einer ewigen Verurteilung durch den göttlichen Richter. Doch dieser urteilt nicht wie die Richter der Inquisition, die mit leichter Hand Todesurteile unterschrieben. Der göttliche Richter streckt mir eine helfende Hand entgegen, und sein Gesicht trägt die Züge eines liebenden Vaters. Dieser hat den verschlossenen Himmel aufgerissen, Tore und Schlösser zerbrochen, um auf die Welt zu kommen. Und Spee beschreibt, wie sich das Licht Gottes mit einem unbeschreiblichen Glanz in das Dunkel ergießt. Der Richter ist der Retter, und es gilt, die ausgestreckte Hand dieses Retters zu ergreifen, festzuhalten, sich vom ihm ins Helle ziehen zu lassen.
Mir persönlich bedeutet das sehr viel: Der Richter, dessen Urteil ich fürchten müsste, nimmt mir die Angst. Denn er ist mein Vater, dem ich vertrauen kann, mit dessen starker Hand ich verbunden bin - im Leben und im Sterben.

Friedrich Spee, der göttliche Minnesänger, so nannte man ihn. Er besang die Liebe eines Gottes, der Not und Leiden zu einem Ende bringt. Und er sang es nicht nur, er lebte es auch.
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