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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

18DEZ2008
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Überall blinkt und flimmert es in diesen Tagen. Glühlampen oder Leuchtdioden schmücken Tannenbäume, strahlen in Fenstern, umhüllen ganze Häuser und Vorgärten. Es gibt sie in fast allen Farben. Manche blinken so wild, dass sie mich richtig nervös machen. Ich frage mich manchmal, wenn’s denn fremde Wesen aus dem All gäbe und die mit ihrem Raumschiff sich unserer Erde näherten, was sie wohl über diese ganze Illumination denken würden? Und es ist ja auch wirklich die Frage, was mit einem solchen Überangebot an Lampen und Lichtern bezweckt werden soll! Ich bin da auf Vermutungen angewiesen. Soll die Dunkelheit vertrieben werden, will man besonders originell sein, oder geht es darum, sich von anderen abzusetzen? Ich weiß es nicht genau.
Ich weiß aber, was Leute umtreibt, die Kerzen in unseren Kirchen anzünden und damit für ein ruhigeres und vor allem wärmeres Licht sorgen. Sie denken an ihre Mitmenschen, an die lebenden aber auch an die verstorbenen, sie denken an Gott, sie beten. Und sie sind davon überzeugt, dass sie nicht in einen luftleeren Raum beten, sondern dass sie gehört werden, dass es einen Empfänger für ihre Worte gibt.
Häufig steht die brennende Kerze für Bitten um etwas, Dank für etwas oder Erinnerung an jemanden. Sie ist quasi Platzhalter für die formulierten Gedanken.
Wer die Kirche verlässt und eine Kerze angezündet hat, geht in dem wohltuenden Bewusstsein, dass seine Gebete, seine Gedanken und Erinnerungen noch lange nicht verloschen sind.
Ich bin mir sicher, dass die angezündete Kerze auch den Beter verändert. Das fürbittende oder auch dankende Gebet relativiert das eigene ICH. Der Gedanke an andere und ihre Sorgen und Nöte lassen die eigenen zwar nicht vergehen, aber mindern deren Mächtigkeit.
Die brennende Kerze bleibt stehen als Hoffnungszeichen, dass nicht Dunkel und Tod, sondern Licht und Leben siegen. Manchmal bewirken sie sogar, dass der Beter selbst zu einem Licht für andere wird.
Die Glühlampen und Leuchtdioden dieser Tage werden schon bald nach Weihnachten wieder verlöschen. Menschen, die Licht für andere sein können, aber sind dringend nötig und haben ganzjährig Saison.

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