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SWR3 Gedanken

09JAN2007
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HOT

von

„Kind getötet.“ „Säugling von Mutter vernachlässigt.“ Immer mehr derartige Nachrichten schrecken uns auf. Eltern härter bestrafen? Kinder früher aus Familien herausnehmen?
Das setzt alles viel zu spät an. Man muß präventiv tätig werden. Überforderten Familien muß schon ganz früh geholfen werden. So wie bei der alleinerziehenden Manuela. „Unser Leben sah katastrophal aus. Das Schlafzimmer konnte man gar nicht mehr betreten. Überall Wäsche, Altkleider, Spielzeug,“ gibt die Mutter einer achtjährigen Tochter freimütig zu. Hygiene, Ernährung, Einkaufen, Umgang mit Geld – alles ging drunter und drüber. Andere Probleme, Streit mit dem Partner, Arbeitslosigkeit und Schulden nahmen jede Energie für den Haushalt. Wenn man gar nicht mehr weiß wo man anfangen soll fängt die Verwahrlosung an. Die Caritas wurde auf die Probleme von Manuela aufmerksam. Und machte mit ihr ein HOT. Ein Haushalts-Organisations-Training. Brunhilde, eine ausgebildete Familienpflegerin, sollte Ordnung ins Chaos bringen. Brunhilde hätte natürlich innerhalb von einigen Tagen die Wohnung auf Vordermann bringen können, aber wie lange hätte das angehalten? Das Verhalten von Manuela mußte sich ändern. Und das muß mühsam eingeübt werden. Bis es Ordnung im Schlafzimmer gab dauerte das fast vier Monate. Ein ganzes Jahr lang kam Brunhilde regelmäßig ins Haus. So lange, bis Manuela in der Lage war, wirklich ihre Verantwortung als Mutter wahrzunehmen. Solange, bis ihre Tochter von der Schule auch dann in eine saubere Wohnung kam und Essen bekam wenn Brunhilde nicht da war.
HOT ist sehr anstrengend. Und HOT kostet Geld und Personal. Aber es zeigt erste Erfolge. Und es ist trotz des großen Aufwands deutlich billiger als Eltern irgendwann einsperren zu müssen.
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