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SWR2 Wort zum Tag

Die Erfahrungen mit Gott, von denen die Bibel berichtet, sind nicht eindeutig. Mal erzittern Menschen in Furcht vor Gott, mal erleben sie, dass sie Gott vertrauen dürfen, dass er sie rettet. Heute ist Angst vor Gott nicht mehr so weit verbreitet, Menschen reden eher von Schicksalsschlägen und Naturkatastrophen. Dafür setzen sie andererseits auch nicht all ihr Vertrauen in Gott und versuchen, möglichst viel selbst zu kontrollieren. Dennoch: Angst und Vertrauen gehören zum Leben dazu. Sie kommen in jeder Beziehung vor, auch in der zwischen Gott und den Menschen
Furcht und Vertrauen in Bezug auf Gott thematisiert auch der Evangelist Lukas. Anscheinend erleben seine Zuhörer bedrängende Zeiten, sie müssen vielleicht um ihr Leben fürchten. Da zitiert Lukas Jesus, der den Jüngern zuruft: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können. Fürchtet Euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern dessen Macht noch über den Tod hinausgeht. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.“ Das ist beinahe schon Galgenhumor: Wenn ihr schon Angst habt, dann sucht euch wenigstens den richtigen Grund dafür. Die Macht von Menschen hört irgendwann auf, Gottes Macht dagegen ist grenzenlos. Daraus leitet Jesus ab, dass die Jünger auf Gott vertrauen können, und er vergleicht sie mit Spatzen. Fünf Spatzen sind nur ein paar Pfennig wert, und Gott vergisst keinen von ihnen. „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid viel mehr wert als viele Spatzen.“
Diese Worte im Lukasevangelium sind konkret für Menschen bestimmt, die von Jesus und seiner Botschaft erzählen, und deshalb in Bedrängnis geraten. Ihnen gibt Jesus mit auf den Weg, dass Gott sie nicht im Stich lässt.
Aber gilt das nur, wenn ich mich als Missionar betätige? Oder kann man dieses „Hochrechnen“ von den Spatzen auf die Jünger auf alle Menschen ausdehnen? Und wie passen da die vielen Menschen hinein, die gerade nicht das Gefühl haben, dass Gott für sie sorgt?
Auf die Fragen weiß ich erst mal keine Antwort. Ich lese nur sehr häufig in der Bibel, dass ich mich nicht fürchten soll, weil Gott bei mir ist. Mir scheint, dass in der Bibel das Vertrauen ein deutliches Übergewicht hat. Und ich selber vertraue – zumindest im Moment – auf diese Zusage. Die Hoffnung und vielleicht auch die Furcht, dass bei Gott sehr viel mehr möglich ist, als ich mir vorstellen kann, weckt in mir so etwas wie ernste Zuversicht.
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