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SWR2 Wort zum Tag

Früher war nicht alles besser. Auch nicht zwischen den Generationen. Ein positives Verhältnis zwischen jung und alt gab es wohl nie automatisch. Immer schon musste an den Generationenvertrag erinnert werden, immer wieder musste man ausprobieren, wie Alte und Junge liebevoll und gerecht miteinander leben können.
Warum sonst wäre das 4. Gebot in die Reihe der 10 Gebote Gottes gekommen. Selbstverständlichkeiten schreibt man nicht in sein Grundgesetz. „Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren.“ Im Namen Gottes wird die junge Generation, die mitten im Leben steht, erinnert, den Alten ein Leben in Würde zu ermöglichen.
Aber auch das Verhältnis von Alt zu Jung war nicht immer im Reinen. Im Gegenteil: Wie mürbe und belastet es früher schon sein konnte, zeigt ein böse-sarkastisches Sprichwort, das im Alten Testament überliefert ist. „Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Söhnen sind die Zähne stumpf geworden“ wird bei zwei Propheten, bei Jeremia und Hesekiel überliefert. Prekär ist nicht das Leben der Alten. Eher umgekehrt. Die Jungen beklagen sich, dass sie die Sünden und Versäumnisse der Vergangenheit ausbaden müssen. Die sie nicht begangen haben. Sie beklagen eine Art negativen Generationenvertrag. Sie müssen für Schulden grade stehen, die die Generationen vor ihnen angehäuft haben. Die Verantwortungslosigkeit der Väter wird ihnen aufgebürdet. Die Bürde der Vergangenheit lässt sich aber nicht einfach abschütteln, die Generationen bleiben miteinander verbunden. Die Jungen können nicht aussteigen, sie können nur sarkastisch kommentieren.
Manchmal fürchte ich, unsere Kinder, die heute 20- jährigen könnten auch einmal so über uns, ihre Eltern und Großeltern, reden. „Die Väter haben es sich gut gehen lassen, Schulden gemacht und wir können sehen, wie wir damit klar kommen.“ Was die öffentlichen Finanzen angeht, könnten sie so klagen. Und auch viele Umweltsünden unserer Generationen werden sie wohl noch lange spüren. Aber die Bibel bleibt nicht bei Sarkasmus und Klage stehen. Sie ist überzeugt, Gott eröffnet neue Aussichten. Es eröffnet Zukunft wenn auch bei uns Generationenvertrag wieder ins Gleichgewicht kommt. Wenn unsere Generation die Schuldenberge für die Jungen endlich verringert. Es ist gut, wenn wir uns zwischen den Generationen immer wieder darum bemühen: Dass die Alten in Würde leben können und dass die Jüngeren keine dicken Lasten in die Zukunft mitschleppen müssen. „Damit die Alten etwas zu beißen haben und den Jungen die Zähne nicht stumpf werden.“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=460