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SWR2 Wort zum Sonntag

Fast 1000 Jahre alt ist unser Dom in Speyer, ein imposanter Zeuge der Vergangenheit und ein lebendiges Haus Gottes bis heute. In wenigen Tagen feiern wir wieder unser jährliches Domweihfest, und in drei Jahren dürfen wir zum 950jährigen Jubiläum der Domweihe einladen.
Ich bin erst seit einem halben Jahr Bischof von Speyer. Was mich in dieser, am Alter des Domes gemessen, recht kurzen Zeit am meisten beeindruckt hat, ist die innige Beziehung, die viele Menschen zu diesem großartigen Bauwerk der Romanik haben. Der Speyrer Kaiserdom ist bis heute lebendig und nicht nur an hohen Festtagen mit Menschen gefüllt. Sie spüren das Besondere dieses geweihten Raumes. Der Dom besitzt nicht nur kulturelle, sondern geistliche Ausstrahlungskraft weit über die Grenzen unseres Bistums hinaus.
Es ist eigentümlich: Je weltlicher unsere Gesellschaft wird, desto mehr gewinnen solche geweihten Orte an Faszination. Etwas zu weihen, bedeutet, es aus dem Alltäglichen herauszuheben und zu einem Ort der Begegnung mit dem zu machen, was uns zum Staunen bringt, übersteigt und überwältigt. In der Weihe wird das von Menschen gebaute Haus Gott anheim gestellt, dass er es auf besondere Weise mit seiner Gegenwart erfülle. Dabei wird Chrisam verwendet, das heilige Öl, das wir auch von der Tauffeier, von der Priesterweihe und besonders von der Firmung her kennen. Dieses Öl füllt mit seinem besonderen Duft den Raum. Mit dem heiligen Chrisam wird der Altar gesalbt. Hier schließt Gott mit uns den neuen Bund in dem Blute Jesu Christi. Unter den Gestalten von Brot und Wein schenkt sich uns Jesus Christus ganz, und wir werden hinein genommen in das Lebensgeheimnis Gottes. An fünf Stellen wird auf dem gesalbten Altar Weihrauch verbrannt. Der aufsteigende Duft des Weihrauchs soll Zeichen sein für das Gebet der Gemeinde, das zu Gott empor dringt.
Durch all diese Riten wird sinnfällig deutlich: Hier ist ein besonderer Raum. Ein Ort der Nähe Gottes mitten in unserer Welt. Wir brauchen solche Räume. Sicher kann der Mensch an jedem Ort beten, aber in solchen Räumen erfahren wir gemeinsam, dass Gott uns spürbar nahe ist und dass er unserem Leben eine Größe gibt, die mehr ist als Arbeit und Sorge, mehr auch als Freizeit und Spiel.
In den gewaltigen, Himmel weisenden Mauern unseres Domes spürt man: Hier ist die Wohnung Gottes unter den Menschen. Wie gut, dass wir solche Orte haben. Wir könnten sonst vergessen, was wir sind: Kinder Gottes! https://www.kirche-im-swr.de/?m=4557