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SWR2 Wort zum Tag

Am liebsten würde ich alles hinschmeißen und abhauen; was ich Tag für Tag erlebe, macht mich fertig! Männer sagen es manchmal so oder denken es. Sie möchten frei sein, aufbrechen in ein neues Leben wie in ein unbekanntes Land und hinter sich lassen, was im Alltag so müde macht. Sie empfinden es so, wenn sie sich im Beruf nicht entfalten können, wenn sie sich zurückgesetzt fühlen und ihnen Erfolg versagt bleibt. Wenn sie die Anforderungen im Beruf, vor allem den eigenen Willen zum Erfolg und die Anforderungen an sich selbst mit den Erwartungen in Ehe und Familie nicht zusammenbringen. Frauen erleben es ähnlich, wenn sie eine Berufstätigkeit ausüben, ihr Mann aber nicht bereit oder in der Lage ist, die Aufgaben in der Familie mit zu tragen. Aber oft hat man den Eindruck, dass Frauen mit dem Problem besser fertig werden. Die Sehnsucht nach Freiheit von den Lasten des Alltags kennen aber auch sie.

Sehnsucht nach Freiheit – wie kann sie gestillt werden? In seinem Brief an die Gemeinden in Galatien hat Paulus seine Botschaft in dem Satz zusammengefasst: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Freiheit ist für ihn also nichts Selbstverständliches. Menschen müssen zu ihr befreit werden. Denn Paulus sieht das schwere Joch, das auf Menschen liegt und das sie nicht einfach abschütteln können. Menschen sind eingespannt in Anforderungen, die sie nicht abweisen können. Es sind Anforderungen, die andere haben, oft noch mehr Forderungen, die man an sich selbst stellt. Und es ist vor allem der Anspruch Gottes auf das ganze Leben, hinter dem man immer wieder zurückbleibt. Das Joch dieser Anforderungen hat Jesus, so versichert Paulus, den Menschen abgenommen. Er hat erfüllt, was Gott vom Menschen erwartet. Wer mit ihm im Vertrauen verbunden ist, hat Anteil an dem, was er getan hat. Das heißt: Gott sieht uns nun an wie ihn. Wir sind Gott darum recht und können befreit anfangen, Gott in unserem Leben Raum zu geben. Wir müssen den Wert unseres Lebens dann auch nicht mehr vor uns selbst von unserem Erfolg oder von unserer Geltung bei Anderen abhängig machen. Wir sind wert gehalten.

Darum kann man es akzeptieren, wenn man nicht alles schafft – zum Beispiel in Beruf und Familie. Man wird frei, über Belastungen offen miteinander zu sprechen. Und wenn einer alles hinschmeißen möchte, hat man gute Gründe, ihm zuzureden. Man lernt, sich gegen Unrecht zu wehren. Manche Belastungen kann man auch teilen, vor allem in der Familie. Und man wird immer wieder Zeiten und Ruhephasen suchen, in denen man zu sich selbst kommt, Inseln der Freiheit, auf denen man Kraft gewinnt für den Alltag mit seinen Anforderungen.

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