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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ich stelle mir die Szenen immer gerne ganz plastisch vor: wie das war, damals, als Jesus in den Synagogen lehrte. Wie er durchs Land zog, seine Freunde im Schlepptau, und ihnen Geschichten erzählte und Lehrstunden erteilte. Nichts mit laptop, powerpoint, Arbeitsblättern oder Mitschnitt auf Tonband. Wer etwas mitbekommen und vor allem behalten wollte, der musste gut zuhören. Klar, viele Dinge sind auch immer und immer wieder erzählt worden, bis man sie auswendig wusste. Das konnten die Menschen damals besser als heute, behaupten zumindest Experten. Sie waren einfach geübter darin, waren auch nicht so zugedröhnt mit Höreindrücken aller Art so wie wir heute. Wie gesagt, ich stelle es mir gerne plastisch vor: Petrus mit i-pod und Ohrhörern, Jesus beginnt zu erzählen: „Ein Sämann ging aus um zu säen….“ Und Petrus bekommt nichts mit und fragt zurück: „Was iss?“
Wer heute einen katholischen Gottesdienst besucht, der wird genau so eine Zuhör- Geschichte präsentiert bekommen, immer und immer wieder nacherzählt und dann irgendwann aufgeschrieben. Das Gleichnis vom Sämann. Der sät und weiß genau, dass ein guter Teil des Samens nicht aufgehen wird. Nur der Teil, der auf guten Boden fällt und sich entwickeln kann, bringt Frucht.
Und weil die Jünger mal wieder nicht kapieren, was ihnen Jesus damit sagen will, erklärt er das ganze noch einmal. Um den Glauben geht es, um die Botschaft vom Reich Gottes, das sie verkünden sollen. Und das es bei aller Anstrengung keine Erfolgsgarantie gibt, dass sie auch ankommt bei den Menschen. Und Jesus schließt die Geschichte mit der damals üblichen Redewendung ab: „Wer Ohren hat, der höre.“ Heute würde man sagen: „Schreibt ’s euch hinter die Ohren!“
Das haben die Jünger wohl beherzigt, sie haben die Botschaft Jesu immer und immer wieder erzählt. Sie stoßen auf taube und auf offene Ohren, bei den einen geht’s rechts rein und links raus, bei anderen pflanzt sich die gute Botschaft vom Vater im Himmel in Kopf und Herz ein. Und diese Pflanze wächst und will sich weiter ausbreiten. Und so erzählen bis heute Menschen die christliche Botschaft weiter.
Wer heute Kinder hat und vielleicht traurig ist, weil die so gar nicht auf den eigenen Glauben anspringen und reagieren wollen, dem möchte ich zwei Dinge sagen. Das erste: es ist heute viel schwerer, zuzuhören. Haben Sie also Geduld. Und denken Sie an den Sämann: es gibt keine Garantie. Ob die Saat aufgeht, liegt nicht allein in seiner Hand. Das können wir uns getrost hinter die Ohren schreiben.


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