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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ist es wirklich erst vier Wochen her, dass auf einmal die Milch in den Kühlregalen der Supermärkte knapp wurde? Die Bauern hatten gegen zu niedrige Erzeugerpreise protestiert und weniger Milch ausgeliefert. Ganz schnell sind wir danach wieder zur Normalität übergegangen. Die Kühlregale sind mittlerweile wieder gut gefüllt. Vollmilch, Fitmilch, Schokomilch, Biomilch und, und, und... ein riesiges Sortiment. Und so richtig teuer ist die Milch nach dem Lieferboykott auch nicht geworden.

Wir sind wieder ein Land, in dem Milch und Honig fließt.

Das Bild vom Land, in dem Milch und Honig fließt, stammt aus der Bibel. Es ist der Traum von einem Land, in dem Gerechtigkeit herrscht und es für alle genug gibt. Das Volk Israel träumte diesen Traum. Damals vor über 3000 Jahren. Da waren sie Sklaven der Ägypter. Ihr Status lag irgendwo zwischen Erntehelfer und Abschiebehäftling. Die Verpflegung war lausig. Zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Da verspricht Ihnen Gott ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Damit meint er kein Schlaraffenland. Keiner sollte sich tagelang durch Sahnetorte essen oder im Milchsee baden können. Das Land, in dem Milch und Honig fließen, ist das Gegenteil einer ungerechten Gesellschaft. Hier wird geteilt. Hier stimmt die Qualität der Lebensmittel. Hier gibt es genug für alle. Hier können die Menschen von ihrer Arbeit leben und kommen nicht nur gerade so eben über die Runden.

Wenn Gott von Milch und Honig redet, meint er: Gerechtigkeit. Und fragt uns:
Wie halten wir es mit der Gerechtigkeit in unserem persönlichen Umfeld? Achten wir auf die Bedürfnisse der anderen? Versetzen wir uns auch in ihre Lage, um zu verstehen, was sie brauchen? Allzu oft noch profitieren die einen vom Nachteil des Anderen. Die Bibel erinnert uns daran: Gerechtigkeit fängt im Kühlregal des Supermarkts an. Auch wenn es überquillt von Frischmilch, Fitmilch, Schoko- und Honigmilch.

Ein Land, in dem Milch und Honig fließt, haben wir erst, wenn auch die Milchbauern ihre Freude daran haben.
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