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SWR2 Wort zum Tag

Wie soll man Menschen verstehen, die begeistert sind von Gesetzen und Vorschriften? „Lust und Freude schenken Gottes Gebote. Sie richten mich auf, machen das Herz weit, führen ins Freie“ – lesen wir in einem der biblischen Psalmen. „Gottes Weisungen sind meine Berater, sie schenken Trost, kostbarer sind sie als Silber und Gold, sie schenken Leben“. „Wenn ich über sie nachsinne, bin ich klüger als die Weisen und unsere Vorfahren.“ „Sie erhellen und erleuchten die Wege, die wir gehen“.
Mit solchen Worten besingen Menschen in der Bibel die „Thora“, die Weisungen, die Gott ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Dabei denken die Menschen in erster Linie nicht an Gesetzestafeln oder Bücher, sondern an die Geschichte ihres Volkes. In dieser Geschichte gab Gott dem Volk Israel sein ‚Gesetz’. Und zwar, indem er sich selbst gezeigt hat: Gott, der das „Stöhnen der Gefangenen“ hört (Ps 101), der „acht hat auf das Elend und den Jammer der Armen“ (Ps 10), der „die Gedemütigten nicht vergisst“ (Ps 135).
Orientierung und neues Leben gab Gott den Israeliten, als sie Fremde waren und denen ausgeliefert, die die Macht hatten. Er befreite sie aus der Knechtschaft zu einem selbstbestimmten Leben. So erkannten die Israeliten, dass Gott zuwider ist, was Menschen niederhält, was ihre Würde verletzt, ihre Entfaltung behindert. Umgekehrt entspricht Gott, was Menschen auf die Beine hilft und ihnen Gerechtigkeit widerfahren lässt. Das darf als Wille Gottes gelten.
Auch Christen erkennen Gottes Weisungen in einer Geschichte, sie entziffern sie in der Lebensgeschichte Jesu aus Nazareth. Sein Umgang mit Kranken und Armen, mit Schriftgelehrten und Gesetzeslehrern, mit Fremden und Andersgläubigen, vor allem sein Sterben und seine Auferweckung aus dem Tod geben Hinweise auf das, was Gottes Willen entspricht, und was nicht.
Den zehn Geboten des Mose vorausgestellt, ist das Wort: „Höre Israel“. Dieses „Höre Israel“ stellt auch Jesus seinem Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe voraus. (Mk 12,29). Hört und vergesst eure Geschichten nicht, so kann man diese Aufforderung verstehen, haltet sie wach, erzählt, was Gott gewirkt hat. Seine Taten seien euch Gesetz. Sie sind gute Berater, machen das Herz weit und führen ins Freie. Ihr habt allen Grund, sie zu rühmen und zu besingen.
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