Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Im Dezember-Psalm von Hanns-Dieter Hüsch heißt es:

Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend
Jesus kommt
….
Mach dich fein
Jesus kommt
….
Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück
Jesus kommt
Alles wird gut.


Darf man so naiv sein und so etwas sagen: „Alles wird gut“? Genügt nicht ein Blick in die Zeitung heute morgen, reichen nicht die Meldungen in den Nachrichten, um zu wissen: Stimmt nicht?

Ich lebe gerne in diesen Tagen mit ein bisschen Weihnachtsromantik. Aber ich sehe auch die Gefahr, dass die adventlichen Lichter, der liebevolle Weihnachtsschmuck, die schönen Düfte und das süße Gebäck die Sinne trügerisch und verführerisch in eine heile Traumwelt lenken und sagen: Lass dich ablenken von der rauen Wirklichkeit ...

Dieser Verführung erliegt der Spaziergänger in dem Hüsch-Psalm nicht: „Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend!“ Das klingt bodenständig, das klingt nach einem, der unterwegs ist, sich gerade nicht aufs Sofa wirft mit der Keksdose in der Hand. Vielmehr klingt das nach einem, der genau hinschaut, in die Gesichter, in die Häuser der Menschen, in die Straßen der Stadt. Und eben nicht verzweifelt oder zynisch oder resigniert die Augen verschließt vor dem, was er da sieht. Sondern erlebt, dass sein Blick sich verändert hat: „Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück. Jesus kommt!“

Der Blick ist nicht vom schönen Schein geblendet, aber auch nicht von Angst und Hoffnungslosigkeit verdunkelt. Vielmehr: Die Erwartung, dass Jesus kommt, schafft eine andere Perspektive. Sie lässt aufschauen aus dem, was den Blick in der rauen Wirklichkeit gefangen hält und lässt einen sich recken und strecken und auf die Zehenspitzen stehen, um es zu sehen: Das Liebste, das Erhoffte, das sehnlich Erwartete kommt.

„Mach dich fein. Jesus kommt!“

Dieser Zuruf will Angstgebeugte, Stressverkrampfte, sorgenvoll Bedrückte verändern und zu einer anderen Haltung rufen: zu einem erhobenem Haupt, zu einem erwartungsvollem Blick, zu einem freudigen, gespannten Herzen und festen Schritten.

Der Psalm singt: „Ich gehe völlig anders, grüße freundlich, möchte alle Welt berühren.“ Ich bin sicher: Wo wir so durch die Straßen gehen oder mit anderen am Tisch sitzen oder in Besprechungen sind, verändern sich auch die um uns herum.

Denn: „Jesus kommt. Alles wird gut.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=375