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SWR3 Gedanken

17MAI2008
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Castingshows sind „in“. Egal ob Tarzan, Top-Model oder Superstar. Sind Gecastete die neuen Helden unserer Zeit? Nein! Sagt die Caritas. Helden finden sich nicht im Fernsehen, sondern im Alltag: „So sehen Helden aus“ steht auf Plakaten mit denen die Caritas für die Wiederentdeckung wahrer Helden wirbt.
Das Mädchen darauf - noch keine achtzehn. Schwarzes Haar, locker zum Pferdeschwanz zusammengebunden. Eine Halskette, schwarze Fingernägel, müder Blick. „So sehen Helden aus.“ Und im Kleingedruckten: „Sie geht wieder zur Schule, obwohl sie ihre Tochter alleine erziehen muss.“
Eine bewundernswerte Leistung. Scheint ja nichts besonderes: zur Schule zu gehen. Macht doch jeder. Aber ohne die Unterstützung der Eltern? Ohne fürsorgliche Großeltern, aber mit der Verantwortung für ein Kind? Trotzdem zu sagen: ich will mein Leben meistern, einen Schulabschluss machen, eine Ausbildung anfangen, für mein Kind sorgen können. Ich hatte eine Schülerin in der Berufsschule, die ihr Kind morgens in der Krippe abgab, dann für ihre Ausbildung büffelte und sich dabei schon darauf freute, ihr Kind abends wieder abholen zu können, um noch ein bißchen zu spielen oder etwas vorzulesen. Ihr Ausbildungsgehalt war geringer als Sozialhilfe, aber sie sagte mir ganz tapfer: Ich will mein Leben selbst bestimmen.
Ja – so sehen Helden aus! In der positiven Bedeutung dieses Wortes. Es gibt sie noch. Und ich wäre froh, wenn mehr Leute in ihnen das sehen würden was sie sind: Helden!


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