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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

12JAN2022
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Andalusien. Die Region liegt im äußersten Süden Spaniens. Vor allem im Sommer heißt das: Erdrückende Hitze am Tag, die erst am Abend, nach Sonnenuntergang erträglicher wird. Und weil es auch in den Häusern oft heiß wird, findet ein großer Teil des Lebens eben draußen statt. Vor allem am Abend. Und da spielen die kleinen Sitzbänke, die in den Dörfern vor fast jedem Haus stehen, eine wichtige Rolle. Sie sind ein Ort, an dem Begegnung geschieht. Das tägliche Schwätzchen mit dem Nachbarn in der Abendkühle. Der Austausch des neuesten Klatsches aus dem Dorf. Manche Bewohner sagen, diese Stunde in der Abenddämmerung sei die schönste des ganzen Tages.

Algar, ein 1400-Seelen-Dorf in Andalusien möchte nun erreichen, dass dieses abendliche Schwätzchen auf der Bank von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt wird. Zugegeben, ein bisschen schräg klingt das schon. Aber die Idee, die find ich klasse.

Dass nämlich alles wirkliche Leben Begegnung ist, das meinte vor Jahrzehnten schon der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber. Da ist was dran. Denn wie sehr wir sie brauchen, das merken wir ja gerade selbst in Zeiten wie diesen, wo sie uns oft schmerzlich fehlt. Und Begegnungen von Mensch zu Mensch sind es, die eine Gemeinschaft letztlich zusammenhalten. Die Verbindungen schaffen und Verständnis für den jeweils anderen. Ob das nun beim Schwätzchen auf der Bank, am Gartenzaun, beim Straße-Kehren oder bei der Begegnung im Hausflur geschieht. Und jede einzelne, leibhaftig und in Farbe, ist für mich besser und wichtiger als alles Abhängen in sogenannten sozialen Medien. Sicher, ich kommuniziere gerade viel über E-Mail oder digitale Messangerdienste. Manchmal notgedrungen. Doch nichts kann am Ende die echte, direkte Begegnung wirklich ersetzen. Die von Mensch zu Mensch. Mit Freunden, mit den Kolleginnen im Büro oder den Menschen hier im SWR. Ob das nun Weltkulturerbe wird, ist dann am Ende gar nicht mehr so wichtig. Wichtig ist, dass es bald wieder geschehen kann und geschieht.

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