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SWR2 Wort zum Tag

10JAN2022
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Die Gäste sind wieder daheim, Besuche liegen hinter uns - so wie die Feiertage und die freien Wochenenden. Es geht wieder los - in Schulen und Betrieben. Jedenfalls mit dem Leben, wie es die Corona-Restriktionen zulassen. Ein Stück Normalität kehrt wieder ein: Alltag nach den Festtagen.

Mir ist in diesen Tagen ein Bibelwort begegnet, das Festzeit und Alltag miteinander verbindet. In Psalm 119 heißt es: „Ein Gast bin ich auf Erden....!“ (Psalm 119,19). Und das gilt nicht nur an Weihnachten – nicht nur für meine Gäste - und meine Besuche bei Anderen.

Bisher habe ich das Wort immer so verstanden: „Ich bin ein Gast auf Erden“, das heißt, „Ich bin nur für eine Zeit lang da. Gäste kommen und gehen ja bekanntlich. Mein Leben ist begrenzt. Aber in dem Wort – ich staune – geht es gar nicht um die Länge oder Kürze meines Lebens. Es geht um den Lebensraum – es geht um mein Leben auf der Erde und  w i e  ich dort als Gast lebe. Denn der Ort, an dem ich mich als Gast aufhalte, gehört mir nicht, ist nicht mein Eigentum. Gott ist mein Gastgeber auf Erden. Und das hat Konsequenzen. So nämlich geht der Satz weiter: „Ein Gast bin ich auf Erden, verbirg deine Gebote nicht vor mir!“

Dringend - heiß und innig wird genau darum gebeten: „Gott, lass mir deine Gebote nah und klar sein, die wunderbaren Weisungen zu einem glücklichen Leben.“ Der Gast auf Erden, der hier betet, will die Regeln des Gastgebers nicht nur kennen, sondern sie auch beherzigen.

Was unliebsame Gäste tuen, können wir uns wahrscheinlich lebhaft vorstellen. Die hinterlassen Unordnung und manchmal eine richtige Wüstenei. Die tuen so, als gehöre das Gewährte ihnen und sie könnten damit machen, was sie wollen.

Im Blick auf die Erde könnten solche Gäste, alles was auf der Erde kreucht und fleucht, ausbeuten und plattmachen – bis zum Tezett. Alles das, wozu der Schöpfer am Anfang einmal gesagt hat: „Es ist gut so!“

Unsere Industrie-Zivilisation verbraucht in einem Jahr so viele fossile Brennstoffe wie in einer Millon Jahren entstanden sind. Wenn wir so weitermachen, dann übergehen und missachten wir als Gäste auf Erden kräftig die Weisungen Gottes. Dann bleibt nämlich nichts mehr übrig von den Schätzen und Lebensräumen, die so viele Arten beherbergen können – mit uns zusammen – als Gäste auf Gottes wunderbarer Erde. „Ich bin ein Gast auf Erden!“

Mich soll das Wort im neuen Jahr dazu anregen, mich immer wieder zu fragen:
„So wie ich lebe, was ich kaufe und wegwerfe – wie ich mit Anderen umgehe - bin ich dabei wie ein guter Gast auf Erden unterwegs, auf der Andere auch nach mir gut und gerne leben?“

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