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SWR2 Wort zum Tag

23NOV2021
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Vermutlich erinnern sie sich auch noch an die Bilder aus Bagdad. US-Soldaten haben da vor achtzehn Jahren  eine Statue des Tyrannen Saddam Hussein umgelegt. Technisch ein bisschen schwierig, aber sehr symbolisch…  Das Ende des Tyrannen, neue Hoffnung für das Land. War leider ein wenig trügerisch, diese Hoffnung.

Ganz in der Nähe des heutigen Bagdad spielt die biblische Erzählung, auf die wohl die Redensart zurückgeht,  dass etwas auf tönernen Füßen steht. In der Bibel also träumt der König Nebukadnezzar von Babylon; er träumt vom Einsturz eines riesigen Standbildes.  Das stellt ihn selbst dar, den König der Könige. Ein großer Fels bricht los und pulverisiert die Statue geradezu.

In der biblischen Geschichte erklärt  der Prophet Daniel dem König, was er da geträumt hat. Und macht ihm klar, warum – jedenfalls technisch gesehen erst mal –  warum also die mächtige Kolossal-Statue zusammengekracht ist: Die Füße und Zehen waren im Traum teils aus Töpferton, teils aus Eisen;  das bedeutet, so Daniel:  Dein Reich ist nur zum Teil hart, zum Teil ist es brüchig. Eisen mit Ton vermischt, sollte aber auch heißen:  Spätere Könige werden sich zwar miteinander verbinden;  doch das eine wird nicht am anderen haften,  wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet.

Warum nur fällt mir bei dieser Erklärung Berlin ein, wo drei demokratische Parteien gerade eine Koalition zusammenbringen und neue Ziele für das Land suchen und finden wollen  und neue Wege verbindlich festschreiben müssen. Manche fürchten, das könnte alles „auf tönernen Füßen stehen“. Passen die in der „Ampel“ wirklich zusammen – und zwar in einer Zeit, die mitentscheiden wird, ob wir Gottes Schöpfung für die Menschen bewahren?  Tönerne Füße – schon gar, wenn sie auch noch mit Eisen vermischt sind, ohne sich zu verbinden: das wären schlechte Aussichten. Hoffen wir mal das Beste…

Der Bibel geht es natürlich weniger um Physik und Chemie –  und Koalitionsfragen waren ihr auch noch fremd. Hoffnung spricht aus dem Traum und aus der Deutung des Propheten Daniel – wenig Hoffnung allerdings für Tyrannen und Gewaltherrscher; alle Hoffnung aber auf Gottes Neue Welt,  die anbrechen soll. Tyrannen und Alleinherrscherinnen müssen vergehen –  die großen und die kleinen. Damit eine neue Zukunft möglich wird,  ganz ohne Unterdrückung und Gewalt, erfüllt und getragen von Gottes Liebe zur Welt und zu seinen Menschen. Und verbunden von Liebe und Solidarität zwischen denen.

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