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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25NOV2021
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Heute ist Erntedankfest. Nicht bei uns, aber in den USA. Thanksgiving heißt es dort. Die ganze Familie kommt von nah und fern zusammen. Und beim gemeinsamen Festessen steht meistens ein gebratener Truthahn auf dem Tisch.

Das Thanksgivingfest in Nord-Amerika feiert in diesem Jahr Jubiläum: 400 Jahre ist es her, dass englische Siedler zusammen mit dem Stamm der Wampanoag das erste Thanksgiving gefeiert haben. Im Dezember 1620 sind die rund 100 Frauen, Männer und Kinder aus England im heutigen Massachusetts angekommen. Sie hätten ihren ersten Winter auf amerikanischem Boden nicht überlebt, wenn die Ureinwohner ihnen nicht geholfen hätten. Im darauffolgenden Jahr haben die Wampanoag den Siedlern dann gezeigt, wie man in der neuen Welt Ackerbau betreibt. Und nach der ersten erfolgreichen Ernte im Herbst 1621 haben alle zusammen ein Fest gefeiert.

Thanksgiving heißt übersetzt Danksagung, – ganz wörtlich – Dankgebung. Das Wort Ernte kommt also gar nicht vor. Das würde ja auch gar nicht zum Datum passen. Ende November ist die Ernte längst vorbei. – Und schon beim ersten Thanksgivingfest ging es um mehr als um die Früchte des Feldes. Die Siedler waren dankbar für die Ernte, aber sie waren auch dankbar für ihre Nachbarn, für die Hilfe der Wampanoag, ohne die sie es nicht geschafft hätten. Und weil sie sehr gläubig waren, war ihnen auch bewusst: „Letztlich verdanken wir alles Gott. Ihm geben wir unseren Dank an Thanksgiving“.

Thanksgiving erinnert mich noch mehr als unser Erntedankfest daran, wie wichtig meine Mitmenschen für mich sind. Ich brauche meine Familie, meine Freunde, meine Nachbarn so wie die Siedler damals die Wampanoag gebraucht haben. Übrigens konnten die Siedler auch den Ureinwohnern helfen. Als der Häuptling der Wampanoag sterbenskrank wurde, haben sie ihn gesund gepflegt. Thanksgiving erinnert mich daran, dass auch ich anderen Menschen helfen kann.

Ich finde, gerade jetzt in der Coronazeit wird deutlich, wie sehr Menschen sich gegenseitig brauchen. Die Pandemie kann keiner für sich alleine meistern. Ich bin auf die anderen angewiesen und die anderen auf mich. Ich bin besonders den Ärztinnen und Pflegern dankbar, die im Krankenhaus bis an die Belastungsgrenze arbeiten. Und ich denke, wir sollten alle miteinander helfen, dass die Fallzahlen wieder sinken und die Intensivstationen entlastet werden. Mit Masken, Tests, Abstand, wenig Kontakten und indem sich möglichst viele impfen lassen. Heute wäre ein guter Tag dafür, finde ich. Zu Thanksgiving würde das passen.

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