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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23NOV2021
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Das Richtige tun ist gar nicht so einfach. Ich glaube, das liegt nicht daran, dass man das Richtige nicht tun will, sondern daran, dass man oft nicht weiß, was das Richtige ist.

Was ist das Richtige? Gerade in der Corona-Zeit ist diese Frage schwer zu beantworten. Weil die Lage sich ständig verändert. Weil man verschiedene Interessen abwägen muss. Und weil man nicht nur darauf schauen kann, was ideal wäre, sondern auch darauf, was machbar ist. Das alles macht es schwer, das Richtige zu tun.

Wenn ein Problem so kompliziert ist wie die Corona-Pandemie, kann es auch passieren, dass man daneben liegt. Dann kann sich das, was man für richtig gehalten hat, im Nachhinein als falsch herausstellen. Deshalb bin ich froh, dass ich nicht in der Haut der Politikerinnen und Politiker stecke, die in dieser schwierigen Zeit Entscheidungen treffen müssen.

Das Richtige tun ist gar nicht so einfach. Es wäre paradiesisch, wenn man sich nicht ständig entscheiden müsste. Es wäre paradiesisch, wenn man keine Angst haben müsste, falsch zu liegen. Die Bibel erzählt, wie die Menschen aus diesem Paradies vertrieben worden sind: „Sobald ihr von der verbotenen Frucht esst, gehen euch die Augen auf“, hat die Schlange, den ersten Menschen im Paradiesgarten versprochen, „ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse“ (Gen 3,5 Einheitsübersetzung). Und so ist es auch gekommen: Adam und Eva haben zugebissen und seitdem wissen die Menschen um Gut und Böse. Was die Schlange nicht gesagt hat: Durch den Biss in die Frucht müssen sich die Menschen jetzt auch mit Gut und Böse herumschlagen: Was ist richtig, was ist falsch? Warum ist es so? Und: Was sollen wir machen? Alles Fragen, die vorher nur Gott beschäftigt haben. Und der hatte damit kein Problem. Gar nicht so einfach, sein zu müssen wie Gott, wenn man nicht Gott ist.

Aber Gott hat die Menschen nicht allein gelassen mit der schwierigen Frage „Was ist das Richtige?“. Er hat ihnen Ratschläge gegeben, an denen sie sich orientieren können. Einer der wichtigsten lautet: Ich soll nicht nur auf mich selbst schauen. Wenn ich das Richtige tun will, darf ich nicht nur darauf achten, dass es mir gut geht, sondern auch meinen Mitmenschen – besonders den Schwachen und Verletzlichen.

Ich finde, das haben die Verantwortlichen in der Corona-Pandemie auch getan, bei allem, was im Einzelnen vielleicht nicht gut gelaufen ist. Und ich denke, auch wenn man für sich persönlich entscheidet, was richtig ist: Man sollte dabei immer auch die im Blick haben, die Schutz und Unterstützung brauchen.

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