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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22NOV2021
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Den Hintern hochkriegen ist manchmal gar nicht so einfach. Zum Beispiel wenn ich joggen gehen will und draußen hat es zwei Grad und Nieselregen. Bequemlichkeit ist das eine. Noch lähmender ist es, wenn eine Aufgabe so groß ist, dass ich denke: „Das schaffe ich eh nicht“. So geht es mir jedes Mal, wenn ich in unseren Keller schaue, der dringend mal aufgeräumt gehört.

Große Aufgaben können einen richtig entmutigen. Ich glaube, das ist nicht nur bei einzelnen Menschen im Alltag so. Das kann auch einem ganzen Land so gehen. Oder sogar der ganzen Welt. Die Bewältigung der Corona-Pandemie, die Digitalisierung und erst recht der Kampf gegen den Klimawandel sind solche Aufgaben, die einen mutlos machen können. Wie soll man das bloß schaffen?

 „Das schaffen wir eh nicht“, haben sich auch die Menschen in Israel vor rund 2500 Jahren gedacht. Sie hatten einen Krieg verloren. Und viele Israeliten wurden von den Siegern in ein fernes Land deportiert. Nach 50 Jahren in der Fremde durften sie endlich zurück. Aber ihre Heimat lag in Trümmern. Die Hauptstadt Jerusalem und der Tempel waren völlig zerstört. Und dir Rückkehrer sollten jetzt alles wieder aufbauen. „Wie sollen wir das bloß schaffen?“, haben sie sich gedacht. Sie haben zwar angefangen, einen neuen Tempel zu bauen. Aber schon bald haben sie entmutigt damit aufgehört.

Was sie aus ihrer Lähmung und Depressivität herausgeholt hat, war dann eine Botschaft von Gott. „Seid unerschrocken und arbeitet“ hat Gott den Israeliten durch den Propheten Haggai ausrichten lassen, „denn ich, Gott, bin mit euch“ (Haggai 2,4). Eine sehr kurze Botschaft, finde ich, fast wie eine WhatsApp-Nachricht: „Kriegt den Hinter hoch, tut was, ich bin bei euch. Liebe Grüße, Gott, Smiley, Daumen nach oben“. Und das hat tatsächlich gewirkt. Die Israeliten haben den Tempel gebaut.

Es ermutigt einen, wenn man nicht allein ist. Diese Erfahrung mache ich auch immer wieder. Es fällt mir viel leichter joggen zu gehen, wenn meine Tochter sagt: „Komm ich lauf auch mit“. Und ich glaube, wenn meine Frau mitmacht, räume ich den Keller vielleicht doch noch vor dem Ruhestand auf.

Für die ganz dicken Bretter – die globalen Aufgaben – ist es gut, Gott an seiner Seite zu haben. „Habt keine Angst, seid unerschrocken, macht was, kommt in die Gänge, denn ich, der Schöpfer dieser Welt, bin bei euch“ Ich finde: Diese Botschaft macht auch Mut für die großen Herausforderungen unserer Zeit.

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