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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21OKT2021
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„Lieber Christoph, es bedeutet mir so viel, dass du für mich betest. Vielen Dank!“ Das hat mir eine Bekannte vor zwei Wochen geschrieben. Ich bete für sie, weil es ihr nicht so gut geht. Genauso wie für einen Bekannten, der privat und beruflich vor neuen Herausforderungen steht. Und ich bete für einen unserer Chorsänger, dessen Ehefrau gestorben ist und der darüber auch nach einem Jahr nicht hinwegkommt. Und für einen krebskranken Freund. In meiner Gebetsecke liegen einige Zettel mit Namen darauf. Jeden Morgen nehme ich sie in den Blick und bete für diese Menschen. Auch wenn ich im Gespräch die Sorgen oder das Leid eines Mitmenschen mitbekomme, biete ich oft ausdrücklich an, dass ich für ihn bete - das hat noch nie jemand abgelehnt, im Gegenteil.

Es tut immer gut, wenn Menschen aneinander denken. Erst recht dann, wenn es jemandem nicht gut geht - dann ist es hilfreich zu wissen, dass der andere mir innerlich nahe ist, dass er mir „einen guten Gedanken schickt“ - wie manche sagen.

Das geschieht auch bei einem Fürbitt-Gebet. Aber da geht es noch einen Schritt weiter. Wenn ich für jemanden bete, dann ist das eine ganz starke innere Verbindung von Mensch zu Mensch - weil diese Verbindung über Gott führt. Darin kommt zum Ausdruck: Dieser Mensch liegt mir am Herzen. Ich sehe seine Freuden und seine Sehnsucht, seine Sorgen und seine Not. Dabei habe ich zugleich Gott im Blick, der will, dass es jedem einzelnen Menschen gut geht. Diesem Gott des Lebens und der Liebe lege ich denjenigen, für den ich bete, besonders ans Herz. Ich bitte Gott darum, dass er ihm nahe ist - und dass der andere das spürt. Oder, um es in einem anderen Bild zu sagen: Ich lege durch mein Beten den anderen in Gottes Hände. Damit er ihn trägt und ihm Halt gibt, dass Gott ihn aufrichtet und mit neuer Lebenskraft und Lebensfreude erfüllt.

Natürlich ist das Gebet kein Ersatz dafür, dass ich einem anderen auch konkret durch Rat und Tat beistehe, so gut ich es vermag. Aber darüber hinaus ist das Fürbittgebet auch eine Weise, wie ich für den anderen da sein kann. Dadurch wird nicht nur die Verbindung zu diesem Mitmenschen vertieft, sondern auch die Verbindung von uns beiden zu Gott als der Quelle des Lebens. Probieren Sie es doch mal aus! Ich kann es nur empfehlen.

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