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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22OKT2021
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Wenn immer möglich, gehe ich freitags auf den Markt. Ich sehe gern die Marktstände mit Ihren Waren und freue mich an der großen Fülle, die es dort gibt. Fast immer treffe ich jemand, den ich kenne und wir nützen die Gelegenheit für ein Gespräch. Ich spreche auch gern mit den Händlern; das gehört für mich zu einem richtigen Einkauf dazu, und es ist viel persönlicher als im anonymen Supermarkt. Außerdem kann ich sie fragen, wo ihre Waren her sind, wenn sie das nicht sowieso ankündigen. Das ist mir inzwischen nämlich wichtig: Ich möchte wissen, wo das Gemüse angebaut wird. Ich esse nur das Obst, das gerade Saison bei uns hat. Bei den Rezepten, die ich koche, achte ich darauf, dass sie zur Jahreszeit passen. Also kein Spargel im Herbst, keine Erdbeeren im Januar, keine frischen Tomaten in der kalten Jahreszeit. Das ist mit ein bisschen Planung alles kein Problem. Im Moment gibt’s Kraut und Äpfel, frisch von Feld und Baum auf den Tisch. Und wenn es Fleisch geben soll, kann ich den Metzger fragen, wo das Rind gelebt hat und geschlachtet wurde. Meine Milch kaufe ich direkt bei der Bäuerin, die 500 Meter von mir zuhause entfernt ihren Hof hat. Auf diese Weise leiste ich einen kleinen Beitrag, um lange Transportwege zu vermeiden, unsere Landwirte zu unterstützen und weniger CO2 zu verbrauchen. Das schont das Klima.

In Berlin haben fünfzig Restaurants diesen Gedanken zu einer gemeinsamen Aktion gemacht. Unter dem Motto „Eine kulinarische Klimakampagne“ haben sie Ende September zu einem Stadtmenü eingeladen. Sie zeigen damit, dass Klimaschutz und Genuss sich nicht ausschließen. Dass es also so etwas gibt wie klimafreundliches Kochen und Essen. Erst habe ich gedacht, das ist bestimmt so eine Sache für Nobel-Restaurants. Aber das stimmt nicht. Es haben sich auch Lokale aus dem niedrigen Preissegment beteiligt, und auch der Stil der Küche war sehr vielfältig. Und was noch wichtig war: Es soll zum Nachmachen anregen. Damit immer mehr Haushalte verstehen, dass man so auch zu Hause kochen kann. Klimafreundlich und nachhaltig. Zum Beispiel indem man immer mehr Gemüse in den Mittelpunkt einer Mahlzeit stellt. Oder die ganze Pflanze, das ganze Tier verarbeitet. Zuletzt haben die Teilnehmer der Berliner Food Week ein Prozent des Nettoumsatzes an heimische Klimaschutzprojekte gespendet. Mich beeindruckt das. Gerade auch als Christ, der in der Natur Gottes Schöpfung entdeckt. Und ich finde: Das ist der Nachahmung wert.

 

 

https://www.falstaff.de/nd/stadtmenue-kulinarische-klimakampagne-in-50-berliner-restaurants/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=34117