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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21OKT2021
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Was ist wahr, und was ist falsch? Darüber ist ein Riesenstreit in Gang. Bei dem die einen - eine kleine Minderheit (!) - den anderen unterstellen, sie würden die Wahrheit verdrehen oder verschweigen; und sie an der Nase herumführen, um Macht über sie zu gewinnen. „Es gibt kein Corona-Virus. Impfen ist unnötig. Dass wir durch unseren Lebensstil das Klima zerstören, ist eine Erfindung, mit der Politiker uns gefügig machen wollen.“ So sprechen die, für die die Realität zu komplex ist, die sich belogen fühlen oder das Vertrauen in den Staat verloren haben.

Ich habe gelernt: Wer wissen will, was wahr ist, muss sich bei Experten Rat einholen. Es ist gut, informiert zu sein und dafür unterschiedliche Quellen zu kennen und sie miteinander zu vergleichen. Es gibt Autoritäten, denen ich vertraue, weil ich bisher fast nie enttäuscht wurde: Wissenschaftler, Ärzte, Professoren, Richter. Und ganz zuletzt muss ich mit gesundem Menschenverstand mein Urteil fällen. Daran halte ich mich bis heute. Ich bin damit gut gefahren und wüsste keinen Grund, an dieser Vorgehensweise etwas zu ändern.

Wer Experte in einer Sache sein will, braucht eine Qualifikation, die überprüft werden kann.  Die überwiegende Mehrheit von Forschern und Lehrern hat zurecht einen guten Ruf. Dem steht lediglich eine kleine Zahl von abweichenden Meinungen entgegen, auch wenn diese dazu neigen sich aufzublähen.

Ein großes Problem sind logische Fehler in der Argumentation. Die gilt es aufzuspüren. Bevor nicht alle notwendigen Informationen auf dem Tisch liegen, sollte man keine Schlussfolgerung ziehen. Meistens gibt es mehr als eine Alternative, die zu bedenken ist, auch wenn das länger dauert und anstrengender ist. Besondere Vorsicht gilt, wenn in einem sachlichen Debatte Personen disqualifiziert werden. Das stört die gemeinsame Suche nach der Wahrheit.

Aber auch die beste Wissenschaft hat Grenzen. Sie kann nicht alle Erwartungen erfüllen. Deshalb steht am Ende ein Kompromiss, der ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Und der muss von möglichst vielen angenommen werden.

Ich habe in den letzten Monaten gelernt: Es bringt nichts, wenn wir uns bloß die Standpunkte um die Ohren hauen, oder uns ärgerlich vom anderen abwenden. Die Suche nach der Wahrheit ist anstrengend. Es führt kein Weg daran vorbei, sich auszutauschen, zu verstehen, zu überzeugen. Immer und immer wieder.

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