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SWR4 Abendgedanken

21OKT2021
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Dieses Jahr hat unser Kirschbaum keine Frucht gebracht. Das ging nicht nur uns so, sondern viele Leute aus dem Dorf haben unter leeren Kirschbäumen gestanden. Somit konnte ich die leeren Marmeladengläser nicht mit Kirschmarmelade füllen. Schade! Denn das hatte ich fest eingeplant.

Aber trotzdem sind die Gläser nicht leer geblieben. Denn auch, wenn es dieses Jahr keine Kirschen gegeben hat, so haben wir doch viele Brombeeren gepflückt. Dick und saftig, lecker und in großen Mengen sind diese an den Hecken gereift. So viele wie schon lange nicht mehr. Also habe ich Brombeergelee statt Kirschmarmelade in die Gläser gefüllt.

„Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.“

So heißt es in der Bibel in Psalm 104. Und in diesem uralten Lied steckt eine Erkenntnis, die bis heute gültig ist: Es liegt nicht alles in unserer Hand. Auch wenn ich den Kirschbaum pflegen kann, ihn richtig schneide, alles mache, damit er gedeiht, so habe ich es nicht in der Hand, ob er viele Früchte trägt. Ich kann ihn vor Schädlingen schützen, aber ob er richtig bestäubt wird, kann ich nicht beeinflussen. Das ist einfach so. Es zeigt mir, dass ich meinen Beitrag leisten, aber nicht alles bestimmen kann.

Es liegt nicht alles in meiner Hand. Ich kann es nicht ändern, dass es dieses Jahr keine Kirschmarmelade gab. Aber es entlastet mich. Denn ich muss mich nicht um alles kümmern, ich bin nicht für alles verantwortlich.Das tut gut. Einfach mal was aus der Hand zu geben und nicht alles regeln zu müssen. Weil ich es auch nicht muss. Stattdessen kann ich hoffen, dass es trotzdem gut wird. Auch ohne mein Zutun. Vielleicht gilt das nicht nur für Brombeeren und Kirschen, sondern auch für so manch anderes in meinem Leben. Das es mich entlastet, wenn ich Verantwortung abgebe, nicht immer für alles zuständig bin. Und am Ende zu erleben: Es wird dennoch gut.

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