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SWR3 Gedanken

22OKT2021
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„Darf ich ihnen eine Frage stellen?“ eine mittelalte Frau steht vor meiner Freundin Linda und mustert sie von oben bis unten. „Ja, kein Problem“, antwortet sie ein bisschen perplex. Die Frau fixiert sie weiter und fragt dann: „Sie haben ein Problem mit ihren Hüften. Haben sie Lipödem?“ So langsam wird meine Freundin wütend: „Nein, habe ich nicht“, sagt sie, wendet sich um, geht. „Dann hätte ich ihnen helfen können“, ruft die Frau ihr nach.

Als Linda mir von der Begegnung später erzählt, sind wir beide entrüstet. Wir finden: Sowas geht ja gar nicht! Von wildfremden Menschen so abwertend auf den eigenen Körper angesprochen zu werden.

Für viele Menschen ist der Körper zu einem Problem geworden, auf das man nicht angesprochen werden möchte und über das man dann doch dauernd spricht. Zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein und mit DER Nase wird man auf keinen Fall glücklich. Da muss kritisiert und optimiert werden. Diäten, Sport, OPs.

In der Bibel steht ein kleiner, ziemlich kluger Satz: „Unser Körper ist ein Tempel“ (1. Korinther 6). Unser Körper ist ein heiliger Ort, an dem Gott wohnt. Und wenn das so ist, wenn mein Körper heilig ist, dann sollte ich ihn wertschätzen. Meinem Körper öfters mal was Gutes tun. Ihn streicheln und liebhaben. Zeiten der Erholung gönnen und leckeres Essen. Meinem Körper Danke sagen für all das Gute, das er mir tut. Dank meines Körpers kann ich mich und die anderen und die Welt sehen, riechen, hören und erfahren. Da hat er doch wirklich verdient, gut und liebevoll behandelt zu werden. Also: Hut ab vor unseren Körpern!

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