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SWR2 Wort zum Tag

13OKT2021
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Zu den Lichtgestalten der jüngeren Zeit gehört Dag Hammarskjöld, der unermüdliche Friedenspolitiker und UNO-Generalsekretär. Jahrzehntelang war er auf der Suche nach selbst, er litt unter seiner Hochbegabung, die ihn einsam machte. Erst mit 47 Jahren fand er zu innerer Klarheit und zu seinem Auftrag: Friedensdienst und Weltinnenpolitik.  60 Jahre ist es her, dass er sterben musste – gerademal 56 Jahre alt und wieder war er auf Friedensmission unterwegs, damals im Kongo. Sein Tagebuch, das man im Nachlass fand, gibt erstaunlichen Einblick in die kreative Selbstsorge, mit der Hammarskjöld sich und seinen Lebensauftrag suchte, seinen Gott. Und suchend wurde er fündig; er wusste sich gefunden. „Seitdem hat das Wort Mut seinen Sinn verloren, weil ja nichts mehr mir genommen werden konnte“ -  so notierte er sich in seinem Todesjahr. Ein unglaublicher Satz! Derart im Frieden mit sich selbst, mit allen, mit Gott. Wer wünschte sich das nicht. Selbstfrieden und Weltfrieden wurden für Hammerskjöld untrennbar, eine unendliche Geschichte.

Und immer wieder waren es Gebete, in denen der fromme Schwede seine Hoffnung ausdrückte, z.B. so:

„gib mir einen reinen Sinn, dass ich dich erblicke,

einen demütigen Sinn; dass ich dich höre,

einen liebenden Sinn, dass ich dir diene

einen gläubigen Sinn, dass ich in dir bleibe“.

Beten ist wie aufräumen. Weil er einen klaren inneren Kompass hatte, konnte er für Klarheit sorgen. Seine Freunde und Kontrahenten haben ihn stets glasklar und unbestechlich erlebt. Keiner notwendigen Auseinandersetzung ging er aus dem Weg, und immer war er fair, transparent und flexibel. Vor allem war er frei von Eigennutz und Eitelkeit.  Er lebte und wirkte aus einer inneren Mitte. Indem Hammarskjöld mit sich selbst klarkommen wollte, konnte er in der Politik befriedend wirken. Seelenfrieden und Weltfrieden sind untrennbar.  Hammarskjöld Zeugnis und Gebet bleiben aktuell: Gott, „gib mir einen gläubigen Sinn, dass ich in dir bleibe“.

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