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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21SEP2021
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Brot und Wasser. Diese zwei Lebensmittel bekommt Elija, als er nicht mehr weiter kann.  Elija, der Prophet aus der Bibel. Einer, der im Auftrag Gottes unterwegs ist. Der sich ganz und gar für seinen Gott einsetzt. Mit Leidenschaft und großem Eifer. Doch dann geht nichts mehr. Er legt sich unter einen Ginsterstrauch. Müde, erschöpft, am Ende. Er schläft ein. Und dann rührt ihn jemand an. Weckt ihn und bringt Brot und Wasser. „Steh auf und iss!“ (1Kön19,5.7), bittet er. Gleich zweimal hintereinander. So kommt Elija wieder zu Kräften und es reicht für die nächsten Schritte. Vielleicht zaghaft, aber es geht weiter.

An Elija musste ich denken, als im Fernsehen eine Reportage über die schreckliche Flutkatastrophe lief. Eine Hoteleigentümerin erzählt, wie sie ein Essen, das eigentlich für ein großes Fest vorgesehen war, den Helferinnen und Helfern im Ahrtal bringt. „Die müssen bei Kräften bleiben“, sagt sie. „Die müssen sich stärken inmitten des Chaos und der Müllberge.“

Es sind oft die kleinen, mitfühlenden Momente, die weiterhelfen. Das Essen, das gereicht wird. Der Kaffee, der gekocht wird. Die kalte Cola, die verteilt wird. Das Ohr, das zuhört. Der Arm, der um die Schulter gelegt wird. Gesten, die ermutigen, aufzustehen und zu essen, um Kraft zu bekommen für den nächsten Schritt. In der Fernsehsendung fällt das Wort Engel. „Wildfremde Leute, die hier geholfen haben. Sogar von weit her sind sie angereist. Wahre Engel“, sagt ein Mann.

Ein Engel ist es, der auch Elija am Leben hält, so heißt es in der Bibel. Und so erfährt Elija am Ginsterstrauch: Gott berührt. Gott richtet auf, stärkt und tröstet. Ob die Menschen im Ahrtal, die Momente der Solidarität und der Hilfe mit Gott in Verbindung bringen, weiß ich nicht. Oder ob vielmehr die Fragen, die Zweifel, die Ohnmacht vor Gott gebracht werden. Gut möglich. Beides hat bei Gott seinen Platz.

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