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SWR2 Wort zum Tag

14SEP2021
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Als wir in den Ferien zu einer Wanderung aufgebrochen sind, war der Himmel blau. Aber im Laufe des Nachmittags zogen Gewitterwolken auf, und ziemlich plötzlich ging dann ein heftiger Regen nieder, begleitet von dumpfem Donnergrollen.

Auf der Suche nach einem Unterstand haben wir ein Wegkreuz gefunden, das mit einem kleinen Blechdach geschützt war. Und hingekauert an das Kreuz sind wir halbwegs trocken geblieben, bis nach etwa einer halben Stunde das Gewitter und der heftigste Regen weitergezogen waren. Halb im Spaß habe ich da zu meinem Mann gesagt: Siehst du, bei Jesus sind wir gut aufgehoben.

Der Name Jesus bedeutet ja: Gott rettet. Und die Bibel erzählt davon, dass viele Menschen, die Jesus begegnet sind, diese Erfahrung gemacht haben. Etwa ein Mann, der gelähmt war. Jesus hat zu ihm gesagt: Steh auf! Dass Jesus ihm das zutraut, gibt ihm  eine neue Lebensperspektive. Und tatsächlich konnte der Mann dann wieder gehen. Wenn ich in schwierige Situationen gerate, fange ich meistens spontan zu beten an: „Jesus, hilf mir und steh mir bei“. Egal ob es um einen wichtigen Schlüssel geht, den ich verlegt habe, oder ob ich in Sorge um meine Kinder bin. Manchmal stelle ich auch eine Kerze in einer Kirche auf. Ein kleines Ritual, das mir guttut. Und oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich meine Not wieder zum Guten gewendet hat.

Aber das ist kein Automatismus. Gott ist keine Notrufzentrale, wo bei Anruf der Notdienst kommt. Oft scheint Gott auch abwesend und fern – gerade in diesem Sommer, wo uns eine Katastrophenmeldung nach der anderen erschüttert hat. Ich frage mich dann: Gibt es überhaupt eine Macht, die uns beschützt? Warum trifft es manche so schrecklich? Es scheint mir dann kindlich und naiv, zu beten und auf Gott zu hoffen. Müssen wir nicht im Gegenteil erwachsen werden und selbst die Verantwortung für unser Leben und unsere Welt übernehmen? Also statt Beten Hochwasserschutz und genügend Löschflugzeuge…

Und doch gehört beides für mich zusammen: Weil ich grundsätzlich darauf vertraue, dass Gott mit mir ist, mich begleitet und behütet, verliere ich auch in schwierigen Situationen nicht ganz den Mut. Ich hoffe, dass es wieder besser wird. Ich kann mich in diesem scheinbar ausweglosen Moment bildlich gesprochen bei Jesus „unterstellen“ und finde dann wieder die Kraft, weiterzugehen und das zu tun, was ich vermag.       

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