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SWR2 Wort zum Tag

13SEP2021
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Es sind relativ einfache Regeln, die dafür sorgen, dass der Verkehr störungsfrei ablaufen kann: etwa rechts vor links, rote und grüne Ampeln und andere Verkehrszeichen beachten. Diese Regeln gelten gleichermaßen für alle Verkehrsteilnehmer, auch wenn die Stärkeren sich manchmal mehr Rechte herausnehmen.

Auch für das störungsfreie Zusammenleben gibt es einfache Regeln. Jesus hat sie in der Bergpredigt so zusammengefasst: Alles was ihr wollt, dass die andern euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen. (Mt 7,12)

Also: Wenn ihr wollt, dass die andern euch die Wahrheit sagen, dann seid wahrhaftig. Wenn ihr respektvoll behandelt werden wollt, dann respektiert die andern. Und wenn ihr geliebt werden wollt, dann seid freundlich, wohlwollend und lasst die andern eure Wertschätzung spüren.

Das klingt einfach und logisch und könnte zu einem friedlichen Zusammenleben führen, wenn sich alle daran hielten. Wenn - denn leider müssen wir immer wieder die Erfahrung machen, dass Menschen für sich selbst etwas einfordern, das sie ihrerseits nicht zu geben bereit sind. Dann gibt es bildlich gesprochen: „zwischenmenschliche Unfälle“. Was tun? Endlos darüber streiten, wer im Recht ist? Klein beigeben um des lieben Friedens willen?

Jesus sagt dazu: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Nimm den andern in den Blick. Sei bereit von ihm her zu denken und zu handeln. Aber zugleich fordert Jesus mich auch zur Selbstliebe auf. Es ist richtig, zu meinen Anliegen und Bedürfnissen zu stehen, ich darf meine Rechte einfordern. Wichtig ist allerdings, dass ich mich dabei nicht über, aber auch nicht unter den anderen stelle. Dieses Gleichgewicht immer wieder zu finden, ist ganz schön herausfordernd. Aber es ist ein Weg. Etwa wenn ich nach einem Streit versuche, dem andern zu sagen, wie ich die Situation erlebt habe, was mir wichtig ist und was mich deswegen geärgert oder verletzt hat. Und zugleich zeige ich meine Bereitschaft, selber auch zuzuhören. Wie hast du das Ganze erlebt? Wodurch habe ich dich verletzt – vielleicht ohne es zu wollen. Worauf legst du in Zukunft Wert? So können wir vieles aus dem Weg räumen, uns wieder versöhnen und zu tragfähigen Kompromissen kommen. Weil jeder spürt, dass der andere ihn sieht und achtet. Ich glaube, dass dies ein Grundbedürfnis von uns Menschen ist.

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