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SWR3 Gedanken

13SEP2021
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Ich bewundere Lisa Federle. Sie ist Ärztin in Tübingen und war in letzter Zeit oft in Talkshows oder in den Nachrichten. Ich bewundere an ihr, dass sie alles aus voller Seele tut. Wenn sich Lisa Federle in der Corona-Pandemie als Medizinerin für ihre Stadt engagiert, oder wenn sie im Fernsehen auftritt, dann macht sie das immer voll und ganz. Auch wenn sie dafür kämpft, dass Corona-Impfstoff auch in den armen Ländern ankommt, oder wenn sie einen Verein gründet, der in Krisenzeiten vor allem die Kinder in den Blick nimmt. Verrückt, was diese Frau alles leistet.

Ich bewundere Lisa Federle aber auch für eine Sache, die weniger bekannt ist. Nämlich dafür, wie sie mit ihrer Religion umgeht.

Sie ist sehr streng christlich aufgewachsen. Als Kind hat ihr Gott immer viel Angst gemacht. Die Regeln in ihrer sehr frommen Familie waren wahnsinnig hart. Lisa Federle sagt dazu: „Das Aufwachsen mit massig Angst hat mich gestört. Wenn ich lüge, komme ich in die Hölle, oder wenn ich irgendetwas falsch mache. Ich fand das alles immer sehr bedrohend.“ Lisa Federle hat den Glauben an so einen Gott, der die Menschen beobachtet und sie sogar bestraft, längst abgestoßen. Sie hat genau gespürt, dass sie so eine Art von Religion nicht weiter bringt. Denn sie macht Menschen kleiner oder ängstlicher oder beschämter. Das braucht niemand. Aber Religion kann Menschen auch groß machen, freier und aktiver. Eben dann, wenn ich mir Gott vorstelle als einen, der viel ermöglicht, der Kraft und Freiheit für mich möchte.

Lisa Federle handelt in ihrer Arbeit extrem christlich. Sie tut so viel für andere. Sie erklärt das, was sie antreibt so: „Es ist die Liebe zum Menschen, weil ich glaube, wenn es einem gut geht, sollte man auch ein Stück davon abgeben, was man selber bekommt.“

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