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SWR3 Gedanken

12SEP2021
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Eigentlich ist Yoga nicht so mein Fall. Trotzdem finde ich mich jetzt auf einer Yoga-Matte wieder, weil meine Schwester gerade Yoga-Lehrerin wird und mich als Versuchskaninchen angeheuert hat. Auch wenn ich erst skeptisch war, die Übungen tun mir gut. Ich trainiere fast schon eine Stunde. Gleich ist es geschafft, sagt meine Schwester, nur noch eine kurze Meditation. Dazu darf ich mich hinlegen und höre die Ansage: „Stell dir vor, dass warmes Licht deinen ganzen Körper durchströmt.“ Klingt erstmal seltsam, aber ich probiere es aus und es entspannt wirklich. Jetzt kommt noch die passende Musik dazu. Es ist ein ruhiger Gospelsong. Gefühlt zwanzig Mal singt die Sängerin immer dasselbe. „I am a light“, „ich bin Licht.“ Dazwischen heißt es dann in den Strophen: „Ich bin nicht die Fehler, die ich gemacht habe.“, „Ich bin nicht mein Alter.“, „Ich bin nicht die Stimmen in meinem Kopf.“

Die langsame Musik und immer wieder diese Wörter: „I am a light“. Das tropft wie in mich hinein. Und wie ich so auf der Yogamatte liege, denke ich dran, dass Jesus auch gesagt hat: „Ich bin das Licht.“ Und seine Leute hat er auch dazu ermutigt, dass sie ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, sondern so richtig leuchten sollen. Da hat er gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ und „Lasst euer Licht leuchten!“

Für mich würde das heißen: Nach dem Streit mit den Kindern „I am a light.“ Nach der öden Besprechung „I am a light“. Egal, was gerade ist: „I am a light.“

Es ist so viel wert, wenn es in mir drin hell ist. Nach dieser Stunde Yoga verstehe ich das wieder besser.

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