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SWR3 Gedanken

20SEP2021
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Diese Blumen, weinrot und lila -  jedes Mal bleibe ich da stehen. Es gibt viele hübsche Vorgärten in meiner Straße. Und viele hübsche Blumenbeete.

Aber in diesem speziellen Gärtchen thronen die weinrot und lilafarbenen Blumen auf dem Rest einer alten Steinsäule. Von der Säule ist nur noch das oberste Stück übrig, das Kapitell. Bildmotive sind dort eingemeißelt. Zu erkennen: eine Maria mit Kind, ein Josef und dazwischen eine Palme.

Den Rest kann ich nicht sehen. Aber reicht ja auch. Es ist die heilige Jesusfamilie. In einem Freiburger Vorgarten. Und obendrauf sind Blümchen gepflanzt.

Jedes Mal halte ich an und schaue mir diese Stilverirrung an. Denn schön finde ich das Arrangement nicht. Aber: ich halte an. Und rätsle, in welcher Kirche diese Säule einst ihre Heimat hatte. Und was wohl Maria als Heimat bezeichnet hat. Und überlege, dass das Wort Heimat für Jesus wahrscheinlich immer zweierlei bedeutet hat – Himmel und Erde.

Oder Kirche und Vorgarten? Und dann bin ich für einen Moment mit meinen Gedanken bei Gott. Ich danke für besondere Erlebnissen, die ich hatte. Ich bitte Gott, für Menschen, die in einer schwierigen Lage sind.

Und obwohl ich da vor einem Gärtchen in einer Wohngegend stehe, komme ich mir vor wie in einem heiligen Raum. Plötzlich ist da Platz für Gott und mich und alles, was ich im Herzen trage. Es ist eben immer beides da: Himmel und Erde. Oder eben: Kirche und Vorgarten!

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