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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18SEP2021
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Wählen gehen ist Christenpflicht! – Entschuldigen Sie bitte, wenn ich so mit der Tür ins Haus falle. Aber die Angelegenheit drängt, denn die Wahlen stehen ja vor der Tür. Da finde ich es wichtig, diesen Gedanken in die aktuelle Diskussion mit einzubringen. Nämlich: Um Gottes willen wählen gehen!

Viele haben ja schon gewählt oder wissen genau, wo Sie bei der Wahl am nächsten Sonntag Ihr Kreuzchen machen. Andere sind aber auch unsicher: Wen oder welche Partei soll ich denn wählen, wenn ich mich mit keiner so ganz identifizieren kann? Und manche Christen fragen sich vielleicht: Muss ich wirklich wählen gehen? Steht darüber denn überhaupt etwas im Neuen Testament? Hat Jesus selbst sich nicht ganz bewusst aus der Politik herausgehalten?

Recht bekannt ist ja seine Aussage: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Mt 22,21). Damit legt er den Grundstein für die Trennung von Kirche und Staat bis auf diesen Tag. Und das ist gut so. – Aber was bedeutet denn der andere Aspekt, nämlich dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser zusteht? Wir leben nicht in einem Kaiserreich, sondern in einer Demokratie. Da wird zu Recht von uns erwartet, dass wir uns am Zustandekommen einer möglichst guten Volksvertretung und einer arbeitsfähigen Regierung beteiligen. Indem wir wählen gehen.

Wenn ich Jesu Hinweis ernstnehme, ist das Wählengehen also sogar Christenpflicht. Für mich ergibt sich daraus: Ich werde auf dem Hintergrund meiner Werte und christlichen Überzeugungen einen Schwerpunkt setzen und eine Wahl treffen. Die Achtung der Menschenwürde, Respekt vor Andersdenkenden und Nächstenliebe sind mir zum Beispiel wichtig. Aber auch die Bewahrung von Gottes Schöpfung und das Handeln nach rechtsstaatlichen Prinzipien gehören dazu. Da gibt es aus meiner Sicht eine große Schnittmenge mit Aspekten, für die auch Jesus sich eingesetzt hat. Selbstverständlich gehört auch die freie Religionsausübung dazu. Andere werden vielleicht andere Akzente setzen. Damit kann ich gut leben. Mir ist bewusst, dass möglicherweise auch Inhalte, die ich nicht mittragen kann, von den Abgeordneten, die ich gewählt habe, beschlossen werden. Wie soll das auch anders sein, wenn so viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen ihre Stimme abgeben? Ich habe deshalb nicht die Erwartung, dass die Politiker alles genau so umsetzen, wie es aus meiner christlichen Sicht wünschenswert wäre. Aber ich bin dankbar dafür, in einem Staat zu leben, in dem meine Meinung ernst genommen und in einer demokratischen Wahl abgefragt wird.

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