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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13SEP2021
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„Warum musst du denn jetzt weg?“ fragt mich mein Enkel enttäuscht beim Frühstück am Sonntagmorgen. Er ist mit seinen Eltern am Wochenende zu Besuch, und da ist es wirklich schade, dass ich jetzt nicht mehr dabei sein kann.

„Ich habe einer Gemeinde versprochen, dass ich heute komme und den Menschen von Gott erzähle“, versuche ich eine kindgemäße Antwort zu geben. „Kennst du denn den lieben Gott?“, fragt mein Enkel erstaunt zurück. So offen und direkt wie nur Kinder fragen können. – Die Gemeinde ist etwas entfernt, und so habe ich Zeit, auf der Autobahn über die Frage meines Enkels nachzudenken. Über sein Erstaunen, dass so etwas überhaupt möglich sein soll: Gott persönlich kennen. Und noch erstaunlicher, dass jemand der ihm so vertraut ist und doch einigermaßen normal erscheint wie sein Opa, ein Bekannter von Gott sein soll. – Gibt es das wirklich?

Viele werden das ganz klar bestreiten. Für sie ist jede Form von Religion ein Wunschtraum des Menschen, ein innerpsychischer Vorgang. Vielleicht auch nur ein chemischer Prozess im Gehirn. Andere denken, wenn es überhaupt einen Gott gibt, dann ist er das letzte Geheimnis unserer Existenz. Aber doch kein Faktor, an dem ich mein Leben ausrichten würde. Es ist ja auch etwas Ungeheuerliches, sich vorzustellen, dass der allmächtige Schöpfer des Kosmos an mir trotz meiner Durchschnittlichkeit und Unvollkommenheit Interesse haben soll. Doch genau das ist die zentrale Botschaft der Bibel. Dass es zu Gottes Macht und Größe gehört, jeden einzelnen wahrzunehmen. Und dass Gott seinem Wesen nach Liebe ist und deshalb Interesse an der Beziehung zu seinen Menschen hat.

Das geht so weit, dass Jesus sagt, wir dürften zu Gott „Vater“ sagen. Eigentlich steht da im Vater-Unser-Gebet sogar Papa, Abba. – Nein, beweisen kann ich das nicht. Und ich gebe zu, angesichts der derzeitigen Turbulenzen in der Welt fällt es nicht immer leicht, an das Wirken eines allmächtigen, liebevollen Gottes zu glauben. Aber erzählen möchte ich trotzdem davon. Über das, was in der Bibel dazu steht. Wie wichtig es für mich ist, mein Leben im Gebet mit Gott durchzusprechen. Und wie schön es ist, immer wieder Impulse von ihm dazu zu bekommen. Jesus geht einmal so weit, dass er sagt: Gott zu kennen, bedeutet wirklich zu leben (Jh 17,3). Ich weiß nicht, ob Sie dem zustimmen können. Ich jedenfalls finde mich darin voll wieder. Und ich weiß, dass viele Menschen sich im Innersten danach sehnen. Deshalb erzähle ich davon. Im Gottesdienst, im Gespräch mit meinem Enkel, oder hier an dieser Stelle.

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