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SWR3 Gedanken

08SEP2021
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Ich liebe es zu spielen. Nichts kompliziertes, lieber Malefiz oder Tabu. Ich spiele, als ginge es um alles. Ich versuche, taktisch vorzugehen und ja, ich schummel leidenschaftlich gerne. Ich schau in die Karten bei MauMau. Beim Stadt – Land – Fluss erfinde ich nordjapanische Städte. Ich liebe es zu gewinnen und übe noch heute Verlieren. Dabei finde ich es wunderbar, mit welcher Energie Auseinandersetzungen beim Spielen geführt werden. Wir jedenfalls streiten eigentlich immer: ‚Du hast falsch gezählt! Der Würfel brennt! Guck mir nicht in die Karten!‘ Wir einigen uns auf Regeln, um sie dann wieder über den Haufen zu schmeißen. Beim Spielen werden die sonst geltenden Machtverhältnisse infrage gestellt oder haben sie schon mal beim Memory gegen ein Kind gewonnen?

Ich probiere Rollen aus, wichtiges wird relevant: Ungeahnte Stärken, um die Ecke denken, Witz, Phantasie, Verhandeln. Ich meine: wer spielt, übt Demokratie, lernt andere neu kennen, lernt mit ihnen und ihren Gefühlen umzugehen und mit den eigenen Gefühlen:
Sich verbünden, im Stich gelassen werden, rausschmeißen, austricksen, verraten, schwindeln, weinen vor lachen, hampeln vor Spannung, toben vor Wut. Und am wichtigsten bleibt, dass ich Menschen habe, mit denen ich so spielen kann:
Für ein paar Stunden vergessen, was sonst wichtig ist, nicht Selbstkontrolle, sondern ‚all in‘, alle Emotion, alle Klugheit.

Ich freu mich schon jetzt auf den nächsten Spieleabend, darauf, wenn alles schon entschieden scheint, den rauszuschmeißen, der ganz vorne liegt und im letzten Augenblick alles drehen! Aber wahrscheinlich trifft genau das doch wieder mich und ich übe verlieren.

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