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SWR2 Wort zum Tag

03SEP2021
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Ich habe mir noch nie „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ einen Kaffee gemacht. Diese Formel benutze ich normalerweise nur im Gottesdienst oder wenn ich bete. Bei meiner muslimischen Bekannten Gülda ist es anders. Sie hat mir mal erzählt, dass sie morgens, wenn sie sich den ersten Kaffee macht, dazu die Basmala spricht, so heißt die entsprechende muslimische Gebetsformel. Bevor sie anfängt, Kaffee zu kochen, sagt sie auf Arabisch: „bismi-llahi r-rahmani r-rahim“. Das heißt auf Deutsch: „Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Erbarmers.“

Für eine Muslimin ist das nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil. Gläubige Muslime sprechen diese Formel in vielen Situationen, z.B. vor dem Essen, Fußballer, wenn sie das Stadion betreten oder ein Verkäufer, wenn er einem Kunden die Ware in die Tüte einpackt. All das geschieht im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Erbarmers.

Von Gülda weiß ich, wie wichtig ihr diese Formel ist. Sie sagt sie nicht nur so aus Gewohnheit. Sie sagt die Formel, weil sie davon überzeugt ist, dass sie ihr Leben und alles was sie hat, Gott zu verdanken hat. Und sie sagt die Formel beim Kaffeekochen, um sich selbst daran zu erinnern.

In dieser Gebetsformel kommen zwei Gottesnamen vor: Rahman und Rahim. Sie klingen nicht nur ähnlich, sondern beziehen sich beide auf die Barmherzigkeit Gottes. Und doch gibt es einen Unterschied. „Rahman“ ist die allgemeinere, umfassendere Bezeichnung. Es ist ein Ausdruck, der nur für Gott und niemand anderen verwendet wird. Seine Barmherzigkeit zeigt sich darin, dass er diese Welt erschaffen hat und in jedem Moment dafür sorgt, dass sie weiterexistiert. Der Begriff „Rahim“ drückt aus, dass Gott nicht nur alles geschaffen hat, sondern sich auch dem einzelnen Geschöpf gütig zuwendet, indem er ihm die tägliche Nahrung gibt, die jeder zum Leben braucht. Und er ist „rahim“, barmherzig, zu denen, die an ihn glauben und auf ihn vertrauen. Er wendet sich ihnen zu, verzeiht Fehler, sorgt sich liebevoll um sie und hilft ihnen. Auf diese Weise können aber auch Menschen zueinander barmherzig sein.

Der Glauben an den einen barmherzigen Schöpfergott verbindet uns mit unseren muslimischen Schwestern und Brüdern und er gibt uns, Christen wie Muslimen, den Auftrag freundlich, hilfsbereit und mitfühlend zu allen Geschöpfen zu sein.

Wenn mir Gülda erzählt wie sie ihren Glauben im Alltag lebt, dann berührt mich das. Dank Gülda halte ich manchmal beim Kaffeekochen einen Moment inne, mache mir bewusst, dass Gott mir in diesem Moment das Leben schenkt, dass er da ist und barmherzig ist und möchte, dass auch ich barmherzig bin.

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