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SWR2 Wort zum Tag

31AUG2021
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Ganz oft höre ich es, dieses: „Alles gut.“ So viele Leute verwenden es. Meistens bei irgendwelchen Kleinigkeiten. Wenn ich jemanden unabsichtlich angerempelt habe und mich dann entschuldige; wenn ich einen Termin verschieben muss, weil ich meinen Kalender nicht richtig gelesen habe. Dann lautet ganz oft die Antwort: Alles gut.

Ich weiß, dass das nur eine Floskel ist, eine nette noch dazu - Im Grunde sagt mein Gegenüber damit ja nur: „Macht nichts.“ Trotzdem störe ich mich daran. Ich mag es nicht, das „Alles gut“.

Weil es nicht stimmt. Es ist nicht alles gut. Es wäre schön, wenn alles gut wäre, aber es ist nicht alles gut. Es war noch nie alles gut und es wird auch niemals alles gut sein. „Alles gut“ spiegelt unsere Lebenswirklichkeit, unser Menschsein, das Weltgeschehen einfach nicht wider. Auch wenn ich mich wohlfühle, ich glücklich bin und in einem Moment keine Beschwerden habe, dann ist nicht alles gut. Niemand ist in der Lage eine Aussage über das zu treffen, was wir „Alles“ nennen.

Das mag vielleicht etwas spitzfindig klingen, aber ich halte es für wichtig. Wir überprüfen unsere Sprache derzeit ohnehin kritisch. Wir bemühen uns alle Geschlechter auch in der Sprache abzubilden. Wir prüfen die Geschichte von Wörtern und Redewendungen. Da bietet es sich an nachzuschauen, was sich noch so in unsere Alltagssprache eingeschlichen hat und das „Alles gut“ in Frage zu stellen. Vor allem als Christ. Denn die christliche Religion hat viele starke Aussagen. „Alles gut“ gehört aber nicht dazu. Ganz im Gegenteil. Es geht im Christentum nicht darum die Wirklichkeit zu beschönigen. Da wird das Leid nicht ausgeblendet. Da ist der Schmerz sichtbar. Und sogar unmittelbar mit Gott verbunden, der am Kreuz erniedrigt wird und stirbt. Der eben nicht „Alles gut“ macht, sondern, wie man sagt „Das Kreuz auf sich nimmt“. Mit dem Schlechten lebt, sich ihm stellt. Stirbt.

Das „Alles gut“ ist im christlichen Glauben ins Jenseits verschoben, auf das, was nach unserer irdischen Existenz kommt. Darauf hoffen wir. Daran glauben wir. Bis dahin ist jedoch nicht alles gut. Und natürlich auch nicht alles schlecht.

So ist unser Leben. In diesem Spannungsfeld wachsen und reifen wir, freuen wir uns und leiden wir. Und es ist durchaus hilfreich zu lernen mehr die schönen und guten Dinge zu sehen und auf sie zu achten. Dabei aber das Gegenteil nicht zu vergessen.

Ich hoffe, dass auch meine Kirche sich das zu Herzen nimmt. Und ihren Beitrag zum Leid in der Welt nicht mehr verdrängt und vertuscht. Sondern das Kreuz auf sich nimmt und sich der Verantwortung stellt. Damit sicher nicht alles gut, aber vieles ein bisschen besser werden kann.

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