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SWR3 Gedanken

28AUG2021
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Der Publizist Erik Flügge hat einmal Pfarrerinnen und Pfarrer danach gefragt, ob sie an die Auferstehung Jesu oder an das Leben nach dem Tod glaubten. Dabei hätten sich alle gewunden und irgendwie verschwurbelt und kompliziert geredet. Nie hätte er eine klare Antwort bekommen.

Mich hat Erik Flügge nie gefragt. Würde er es tun, wäre meine Antwort ganz schlicht: Ja, glaube ich. Trotzdem kann ich verstehen, wenn eine Kolleg:in da anfängt, kompliziert zu reden. Vor allem wenn man jemanden begegnet, der oder die gerade jemanden verloren hat. Da will ich der Trauer Raum geben und nicht gleich von Auferstehung reden.  

Allerdings, wenn ich heute zu Trauernden gehe, bin ich dennoch etwas mutiger geworden. Und das liegt an der Mutter von Sophie. Sophie war selbst Mutter von zwei Kindern und ist gestorben. Und kurz nach ihrem Tod, hat mir ihre Mutter ganz offen davon erzählt, wie sie sich vorstellt, dass ihre Tochter in den Himmel kommt und dass es ihr da jetzt gut geht. Und natürlich sei das alles sehr traurig, unendlich traurig, aber ihre Enkel, die jetzt mit dem Vater leben, die sollen doch nicht ständig in Trauer sein. Sie sollten doch weiterleben. Gut weiterleben!

Seitdem traue ich mich schneller, davon zu reden, dass ich an ein Leben nach dem Tod glaube. Und an die Auferstehung. Natürlich für die Verstorbenen, aber mindestens genauso wichtig erscheint mir dieser Glaube und dieses Vertrauen für die Lebenden. Denn das wünsche ich mir für sie wirklich: Dass sie – nach der Zeit, die sie dafür brauchen – wieder ins Leben finden. Dass sie auferstehen können. In ein anderes, ein neues Leben nach der Trauer.  

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