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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

17AUG2021
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Manchmal ist man sprachlos. Manchmal verschlägt es einem die Sprache – so ist es auch heute vor vier Jahren gewesen. Damals ist ein Attentäter mit einem Lieferwagen gezielt in eine Menschenmenge in Barcelona gefahren. Viele sind gestorben, noch viel mehr verletzt worden. Ich erinnere mich, dass ich an diesem Tag mit Franz über die furchtbaren Ereignisse geredet habe. Er kannte diesen Platz, diese Straße. Er hatte dort einige Zeit zuvor rund um ein Fußballspiel - München gegen Barcelona - fröhlich gefeiert. Wir waren beide geschockt, als sich die Nachricht vom Terroranschlag verbreitete. Franz hat sich zuerst wieder gefangen. „Weißt du“ hat Franz dann angefangen „Ich würde schon sagen, dass ich Gott in meinem Leben spüre. Da ist dieses Gefühl, ihn an meiner Seite zu haben. Da ist eigentlich ein Grundvertrauen, dass er da ist. Aber in solchen Situationen fehlen mir einfach die Worte. Deshalb bin ich froh, wenn wenigstens Du als Pfarrer es schaffst – trotz allem - von Gott zu sprechen. Denn eigentlich bin ich überzeugt: wir dürfen nicht stumm werden.“

Franz Worte haben mich sehr berührt und mir wurde deutlich wie wichtig es ist nicht sprachlos zu werden und wie schwer. Damals wie heute. Auch mir fehlen oft die Worte. In solchen Momenten bin ich froh, dass ich Teil einer großen Gemeinschaft bin. Ich kann mir Worte leihen. Ich kann Worte aus der Bibel sprechen. Klagepsalmen zum Beispiel. Alte Gebete mit denen Menschen schon seit Jahrtausenden ihr Leid vor Gott bringen. Deren Worte leihe ich mir, wenn ich selbst sprachlos bin. Ich habe Franz Gedanken auch als Auftrag verstanden, darüber zu reden, dass ich Gott in meinem Leben spüre. Zu reden über meinen Glauben, dass dieser Gott, der selbst so vieles erlitten hat, an meiner Seite ist. Und auch mit seinen Worten kann ich fragen „mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen“ und spüre doch darin das Grundvertrauen das er da ist, an den ich mich auch in meinem Klagen wende. Wenn ich keine Worte habe – leihe ich mir welche, aber stumm darf ich nicht werden.

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