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SWR3 Gedanken

08AUG2021
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Bei mir zuhause wohnt Gott. Ich hab ihn selbst eingeladen. Seither ist er immer da, wo ich auch bin. Schleicht um mich herum. Ob es mir gut geht oder schlecht, Tag und Nacht. Ja, dann ganz besonders, wenn der Mond aufgeht, die Sterne sich blank putzen. Dann sieht er mich sanft an, aus schmalen Pupillen. Wenn alles schläft, aber ich komme nicht zur Ruhe - sitze am Schreibtisch, stehe am Bügelbrett, wandere zwischen Kühlschrank und Bücherregal…

Dann beobachtet er mich aus Bernsteinaugen. Sie ahnen es, es ist ein Kater. Gottgleich thront er plötzlich über mir an der Sessellehne, ganz nah am Ohr, spricht mich leise an. Schmiegt sich an mich. Weich und warm. Bringt mich zum Lachen. Wenn er mir seinen Kopf in die Hand legt, damit ich sein Ohr kraule. Dann schnurrt er sich die Seele aus dem Leib und die meine wird ruhig…. Klar, er ist nicht Gott. Aber wenn er um mich ist, der schönste Kater der Welt, fühle ich mich nicht allein.

Nein, kein weiterer Catcontent heute früh, nur ein Loblied auf Katzen. Die die Seele anrühren. Ohne die unsere Häuser traurig und das Internet fast leer wäre. Die einst wie Götter verehrt wurden und natürlich keine sind. Aber doch - wunderbare Geschöpfe. Millionen Samtpfoten und ihre Menschen in aller Welt wissen das, erst recht am heutigen Weltkatzentag. "Wer Gott erkennt, der erkennt auch die Kreatur, versteht sie und hat sie lieb“, sagt Martin Luther, „denn in der Kreatur sind die Fußstapfen der Gottheit". Da streckt er gleich seine Pfoten nach mir aus, mein Samtkater. Und weiß, auch dieser Tag ist für die Katz.

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