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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20JUL2021
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„Wie war’s denn im Kindergarten?“ – „Doof.“ Das ist neuerdings die Standard-Antwort unseres Sohns, wenn wir ihn fragen, wie sein Vormittag so lief. Spiele, die ihn früher begeistert haben, packen ihn nicht mehr. Die festen vertrauten Abläufe engen ihn ein. Und während er es letztes Jahr noch schön gefunden hat, dass seine kleine Schwester jetzt in dieselbe Gruppe geht und ihm treu überall hin folgt, nervt ihn das nun oft.

„Doof.“ – Uns als Eltern hat diese neue Grundhaltung erst mal ein bisschen irritiert. Aber uns hat geholfen, was eine Erzieherin neulich mal dazu gesagt hat: „Den Großen wird es jetzt langweilig bei uns“ hat sie gemeint. „Und das ist auch gut und wichtig so!“

… denn: Nächsten Herbst kommt unser Sohn in die Schule. Da beginnt etwas ganz Neues, Unbekanntes für ihn. Die Welt des Kindergartens wird für ihn zu klein, diesen zu Ende gehenden Lebensabschnitt muss er irgendwie loslassen. Und dann ist der Kindergarten eben „doof“.

Bei den Viertklässlern im Religionsunterricht erlebe ich es ganz ähnlich gerade. Die wechseln bald auf die weiterführenden Schulen, sind da schon längst angemeldet. Wer hat da noch Lust auf Grundschule? „Und weißt du“, hat eine Freundin und Lehrerin neulich zu mir gesagt, „das ist in jeder Klassenstufe so vor den Sommerferien …“

… stimmt, bei mir ja auch damals. Und gar nicht nur in der Schule. Auch auf meiner früheren beruflichen Stelle habe ich die letzten Monate über gemerkt: Es reicht. Es war gut hier, ich nehme viel mit. Aber jetzt steht etwas Neues an.

Vielleicht gilt das ja auch in umgekehrte Richtung: Wenn sich träge Routine und Langeweile ins Leben einschleichen, – dann ist es vielleicht Zeit für Veränderung. Und nicht immer muss das ja ein ganz großer Einschnitt sein. Es kann schon reichen, eine Kleinigkeit zu ändern. Vielleicht kann ich den Tagesablauf an einer Stelle überdenken. Oder in einem Zimmer die Möbel umstellen. Oder ein altes Hobby wieder anfangen.

„Jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit“, heißt es in der Bibel dazu. Und dann werden da auch große Abschiede und Neuanfänge aufgezählt. Für mich bedeutet das: Veränderungen gehören zum Leben. Und damit auch die schwierigen Übergänge. Auch sie sind von Gott gewollt und begleitet.

… daran denke ich, wenn ich unseren Sohn heute Mittag wieder frage, wie es denn im Kindergarten war. Oder wenn ich vorher zu den Vierern in die Schule aufbreche. Oder wenn ich bei mir selbst merke: Eine Veränderung steht an.

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