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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21JUL2021
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In unserer Kirchengemeinde trifft sich monatlich der Kirchengemeinderat, um Leitungsfragen zu besprechen. Wegen der Pandemie haben wir lange Zeit per Videokonferenz über Gottesdienstzeiten oder Finanzfragen beraten. Letzte Woche sind wir nach langer Zeit wieder persönlich vor Ort zusammengekommen. So wie viele andere Gremien und Gruppen auch.

Gar keine Frage – es war schön, sich wieder leibhaftig zu begegnen. Sich vollständig sehen, dem Sitznachbarn zwischendurch mal was zuflüstern, zur Begrüßung und zum Abschied vorsichtigen Körperkontakt suchen – das alles habe ich genossen. Und es hat sicher auch manche Vorteile für eine Sitzung. Vielleicht gerade dann, wenn man komplizierte Themen zu beraten und schwierige Entscheidungen zu treffen hat. Denn da ist es wichtig, sich möglichst vollständig wahrzunehmen, auch mit den ganz kleinen Signalen.

Gleichzeitig habe ich aber gemerkt: Unsere Videokonferenz-Sitzungen in letzter Zeit haben ganz eigene Dinge möglich gemacht. Da konnte ich zum Beispiel vorher noch die Kinder mit ins Bett bringen, weil ich nicht so früh losmusste. Ein Kirchengemeinderatsmitglied war wochenlang verreist, konnte sich aber trotzdem immer beteiligen an unseren Treffen. Wir haben häufiger Gäste eingeladen für Berichte oder gegenseitigen Austausch, weil die sich ja auch für eine halbe Stunde mal eben einwählen konnten. Und wer sich einfach so für unsere öffentlichen Sitzungen interessiert hat, konnte sie unkompliziert mitverfolgen – wir hatten noch nie so viele Zuhörer. Ich hatte auch den Eindruck: Manchen von uns ist es per Videokonferenz leichter gefallen, mitzudenken oder sich mit Wortbeiträgen zu beteiligen. Vielleicht, weil sie sich am eigenen Schreibtisch besser konzentrieren konnten. Und ich weiß grundsätzlich, dass es manchen Menschen Stress bereitet, ein Zimmer mit mehreren Leuten zu betreten. Auch da hat das Videokonferenz-Format seine Vorteile.

Deshalb fände ich es schade, wenn wir jetzt einfach alles wieder so machen wie früher – ohne groß darüber nachzudenken. Oder wenn gar behauptet wird: „Jetzt ist endlich wieder echte Begegnung möglich.“ Das, was wir die Corona-Monate über gemacht haben miteinander, war doch genauso echt! Und hat eben andere Dinge möglich gemacht.

„Prüft […] alles und behaltet das Gute.“  So wird es geraten in einem Brief in der Bibel. Das könnte doch ganz praktisch heißen: Schauen wir, welche neuen Formen von Begegnung die Corona-Krise möglich gemacht hat. Und vielleicht kann manches davon auch in Zukunft eine Rolle spielen. Im Kirchengemeinderat – und darüber hinaus.

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