Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

21JUL2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wenn man etwas verliert, kommt es einem gleich dreimal so kostbar vor...
So geht es mir jedenfalls. Und je verzweifelter ich suche, umso lauter wird der Gedanke: Was würde ich nicht alles dafür geben, um dieses eine wiederzufinden!

Jesus und den Leuten seinerzeit ist es genauso ergangen. Jesus hat sogar gesagt, selbst Gott kennt dieses Gefühl: Immer, wenn ihm ein Mensch verlorenen geht, gibt er alles darum, ihn wiederzufinden. Und um das zu veranschaulichen, hat Jesus die Leute gefragt:

„Was meint ihr? Wenn jemand 100 Schafe hätte, und eines ginge ihm verloren, würde er nicht alle 99 Schafe stehen lassen, um das eine zu suchen?“

„Was soll ich denn mit Schafen?“, mag sich die eine oder der andere jetzt fragen. Aber stellen Sie sich einmal vor, Ihr kostbarster Besitz - das wären nun mal Schafe. Und zu jedem dieser Schafe hätten Sie eine ganz besondere Beziehung. Sie kennen ja auch jedes einzelne von Geburt an....
Und dann geht eines Ihrer Lieblinge verloren. Würden Sie nicht auch alles stehen und liegenlassen, um das eine zu suchen?

Jesus hat gesagt: „Und genauso, wie sich der Hirte freut, wenn er das Schaf wiedergefunden hat - genauso freut sich Gott im Himmel, wenn er jemanden wiederfindet, der sich von ihm abgekehrt hat.“
Mir gefällt dieser Gedanke: Sollte ich Gott mal verloren gehen, dann lässt ihm das keine Ruhe. Ich kleines Schaf bin so kostbar in seinen Augen, dass er - wenn es darauf ankommt - alle anderen stehen lässt, nur um nach mir zu suchen. Und das finde ich tröstlich.

Vielleicht fragen Sie jetzt: und was ist mit den 99 anderen Schafen? Die lässt Gott einfach stehen. Ist das nicht unfair? Ich glaube, Jesus wollte mit der Geschichte auch sagen: Vergiss nicht:
Unter 99 anderen Schafen bist du nicht allein. Die Gemeinschaft trägt. Und jedes Schaf weiß: Der Hirte lässt uns nicht im Stich; er kommt sicher zurück.
Das verlorene Schaf hingegen macht etwas durch. Es ist ganz allein da draußen und hat Angst. Und hat sicher vergessen, wie kostbar es ist. Gönn ihm die ganze Zuwendung.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33515