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SWR2 Lied zum Sonntag

04JUL2021
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Intro »Te Deum« Marc-Antoine Charpentier (Grevenbrock, Sonja u.a.)

Trommeln, die neugierig machen. Erwartungen wecken. Klingt wie eine Musik zum Einzug einer wichtigen Person. Doch wie es weitergeht, das überrascht dann erstmal. Die Trommeln sind das Vorspiel zu einem der bekanntesten klassischen Musikstücke, die es gibt: Dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier. Viele kennen die ersten Takte als Erkennungsmelodie der Eurovision.

 

»Te Deum« Marc-Antoine Charpentier (Massis, Annick u.a.)

Erst seit kurzem weiß ich, dass diese Musik ein Chorstück ist - und kein Orchesterwerk. Was so tänzerisch und fröhlich beginnt, mündet in einen alten Gesang. Das Te Deum. Ein Text wahrscheinlich schon aus dem 4. Jahrhundert. Ein Text, der Gott lobt, bittet, dankt. Te deum laudamus, lauten die ersten Worte dieses großen Gebets: Dich, Gott, loben wir. Das Gebet kommt mit einem universalen Anspruch daher: Alle Engel, der ganze Himmel, die Apostel und Propheten, die Kirche und alle Christ:innen, sie loben Gott. Wie das klingt, das lässt die ganz andere Vertonung des Te Deums von Anton Bruckner hören. Da singt tatsächlich das ganze Universum.

 

»Te Deum« AntonBruckner (Tomowa-Sintow, Anna u.a.)

Der Komponist Gustav Mahler war ein Fan von Bruckners Te deum. Und er hörte, dass da mehr als nur ein Chor singt. In seinem Notenauszug ersetzte Mahler den Untertitel "für Chor, Solostimmen, Orchester und Orgel" handschriftlich durch "für Engelszungen, Gottselige, gequälte Herzen und feuergeläuterte Seelen". Mahler erkennt: In Bruckners Lob Gottes mischen sich auch Fragen, Zweifel und Ängste. Und die große Hoffnung, dass da tatsächlich ein Gott ist, der dem Menschen Antwort gibt.

Bruckner soll einer Anekdote zufolge gesagt haben: „Wenn mich der liebe Gott einst zu sich ruft und fragt: ‚Wo hast du die Talente, die ich dir gegeben habe?‘, dann halte ich ihm die Notenrolle mit meinem Te Deum hin, und er wird mir ein gnädiger Richter sein.“

Charpentier und Bruckner bieten das Te Deum als großformatiges Chor- und Orchesterwerk. Ganz anders kommt der Kanon Te Deum laudamus von Peter Janssens daher.

 

»Te Deum laudamus« (Schulze-Berndt / Janssens)

Der schlichte Kanon stammt aus dem Musikspiel Elisabeth von Thüringen (1984) von Hermann Schulze-Berndt und Peter Janssens. Er greift eine Legende aus dem Leben Elisabeths auf. Ihr Mann, Ludwig IV., stirbt auf einem Kreuzzug - Elisabeth steht plötzlich ohne alles da. Denn ihr Schwager lässt sie von der Wartburg vertreiben. Bei ihrem Auszug aus der Burg stimmt sie, so die Legende, ein Te Deum an. Das Signal ist eindeutig: Elisabeth braucht keine Burg, keinen Prunk, keine Macht. Sie setzt auf Gott - und allein das zählt.

 

»Te Deum laudamus« (Schulze-Berndt / Janssens)

Mit der Musik lehnt sich Janssens weit aus dem Fenster. Unschwer sind Anleihen an die ersten Takte des Te Deums von Charpentier zu hören. Trotz unterschiedlicher Tonarten verbindet die Melodie altes und neues Te Deum. Janssens allerdings ist weit von jeder triumphalistischen Musik entfernt. Bei ihm dominieren die Zwischentöne. Das Lob Gottes schwankt zwischen Überzeugung und Frage, zwischen Hoffnung und Unglauben.

Ich finde das eine starke Art und Weise, Glauben auszudrücken. Es ist wie mit der Liebe. Da gibt es Zeiten voll Hochgefühl. Und es gibt den Alltag. Auch in der Liebe gibt es Dur und Moll. Mit dem Glauben erlebe ich das ganz ähnlich. Und ich höre, dass der Kanon von Janssens diesen Zwischentönen eine Melodie gibt. Wie auch Bruckners Vertonung. Glaube kennt viele Facetten: Hoffnung in schwierigen Lagen, Zweifel und Ohnmacht in anderen. Das Te Deum sagt mir: Aus all dem ist Glaube gemacht.

 

»Te Deum« AntonBruckner (Gächinger Kantorei u.a.)

 

 

 

Te deum, laudamus

Text: Hermann Schulze-Berndt

Musik: Peter Janssens

CD Unterwegs. Lieder und Gesänge (1998) Track 1, 1:49

© Deutsches Liturgisches Institut Nr. 7113

 

 

Liedtext

Te deum, laudamus,

wir loben dich, o Gott.

Orbis terrae te laudat,

der Erdkreis lobt dich, Gott.

 

 

Weitere Musiken

 

Marc-Antoine Charpentier; Te Deum für Soli, Chor und Orchester D-Dur, H146 Auf: Te Deum – Messe de minuit

Mit: Massis, Annick u.a., Choeur des Musiciens du Louvre; Les Musiciens du Louvre, Grenoble; Minkowski, Marc

 

Marc-Antoine Charpentier; Te deum. Für Soli, Chor und Orchester, H 146 

Auf: Missa Saalisburgensis

Mit: Grevenbrock, Sonja u.a., Capella Lacensis; Meyer, Philipp; Capella Confluentes

 

Anton Bruckner: Te Deum, WAB 45. Für Soli, Chor und Orchester

Auf: Sommerakademie Johann Sebastian Bach 1996

Mit: Gächinger Kantorei; Bach-Collegium Stuttgart; Rilling, Helmuth

 

Anton Bruckner: Te Deum für Soli, Chor und Orchester, WAB 45

Auf: Requiem

Mit: Tomowa-Sintow, Anna u.a. Berliner Philharmoniker; Karajan, Herbert von

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