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SWR3 Gedanken

21JUN2021
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Mein Freund Sebastian steht in der Schlange vor der Eisdiele. Da mogelt  sich ein junger Kerl frech vor ihn. Sebastian spricht ihn gleich an. Aber der Typ faucht ihn nur an und zeigt dabei auf das kleine Kreuz, das mein Kumpel um den Hals trägt. Er schimpft: „Das Ding da können Sie schön wieder wegpacken“. Daraufhin mein Freund: „Was hat das damit zu tun? Es ist eben nicht okay sich vorzudrängeln“. Der Kerl verdreht die Augen, bleibt aber trotzdem vorne in der Schlange.

Als Sebastian mir von der Sache erzählt, überlegen wir was dieser Typ mit seiner Bemerkung zum Kreuz eigentlich hat sagen wollen.

Mund aufmachen und Kreuztragen passt für ihn anscheinend irgendwie nicht zusammen.

Wer ein Kreuz trägt, ist automatisch brav und still und zeigt nie Kante?

Für Sebastian und mich ist klar: das Kreuz steht für Jesus; aber nicht für einen blumigen Sandalen-Jesus, sondern für einen rauen und kantigen Typen. Jedenfalls wirkt er so auf mich, wenn ich über ihn was in der Bibel lese. Jesus hat sich nämlich ziemlich ungeniert für die eingesetzt, die ungerecht behandelt wurden. Und dabei war ihm egal, ob er sich dabei Ärger einhandelt.

Egal, ob mit oder ohne Kreuz, die Welt wird auf jeden Fall einen Ticken  gerechter, wenn ich auch mutig bin und den Mund aufmache.

Das geht nicht immer. An manchen Tagen fehlt mir dazu einfach der Nerv. Oder ich bin so schlecht gelaunt, dass ich einen richtig fiesen Ton anschlagen würde.

Aber was sagen, wenn‘s irgendwo ungerecht zugeht und zur Not dabei auch anecken, das setze ich mir als Challenge, und die hab ich von Jesus.  

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