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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24JUN2021
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Heute ist Johannistag. In der Kirche denken wir an diesem Tag an Johannes den Täufer. Der ist ein ziemlich kauziger Typ gewesen. Er hat sich eigenartig gekleidet, Heuschrecken gegessen und in der Wüste gelebt. Dort hat er flammende Predigten gehalten, Jüngerinnen und Jünger um sich gesammelt und getauft. So erzählt es die Bibel.

Aber dann taucht plötzlich ein anderer Prediger auf: Jesus. Johannes kennt ihn gut: er selbst hat ihn getauft. Nun macht er ihm Konkurrenz. Immer mehr Menschen gehen zu Jesus und hören ihm zu. Johannes‘ Jüngerinnen und Jünger werden darüber wütend und fragen ihn: „Hast du das mitbekommen? Jesus, den du getauft hast, zu dem gehen jetzt alle hin! Das kann doch nicht wahr sein!“

Als Johannes das hört, bleibt er ganz ruhig und antwortet: „Das ist schon richtig so. Jetzt ist Jesus dran. Seine Bedeutung wird wachsen, aber meine muss abnehmen.“ (Joh 3,30)

Diese Haltung bewundere ich. Johannes ist so erfolgreich gewesen in dem, was er getan hat. Er hat ganz genau gewusst, was er kann und wie er auf andere wirkt. Er ist richtig berühmt gewesen.
Aber: Er wusste auch, wo seine Grenze liegt, wo er sich zurücknehmen und abgeben muss.

Viele Leute können das nicht so gut: Die Zügel aus der Hand geben und andere machen lassen. Mir geht es auch manchmal so. Aber ich merke: Das geht nicht immer. Irgendwann stoße ich an Grenzen: Dann muss ich mir eingestehen, dass andere etwas einfach besser können als ich. Das kostet Überwindung und kratzt am eigenen Ego.

Johannes kann sich von solchen Eitelkeiten freimachen. Er erklärt seinen Jüngerinnen und Jüngern weiter: „Kein Mensch kann sich was nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist.“ (Joh 3,27)

Diesen Satz merke ich mir. Denn er bedeutet für mich: Ich gebe mein Bestes bei dem, was ich kann, wozu mir Gott die Fähigkeiten und das Talent gegeben hat. Und gleichzeitig bin ich ehrlich mit mir selbst, wenn es darum geht, was mir vom Himmel nicht gegeben ist, wo andere etwas besser können. 

Ich denke: Mit dieser Haltung fällt es leichter, auch mal Verantwortung abzugeben, sich selbst zurückzunehmen, und so – wie Johannes - andere wachsen zu lassen.

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